Die frühere Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, hält die von einer Expertenkommission empfohlene Schließung der Behörde für falsch und riskant. "Es gibt für mich keinen plausiblen Grund, warum man diese symbolträchtige und erfolgreiche Behörde abschaffen sollte", sagte sie am Freitag. "Die Kommission ist die Antwort darauf schuldig geblieben, was danach besser werden könnte. Stattdessen sehe ich Risiken." Birthler räumte ein: "Man kann ja darüber nachdenken, ob man einen Ombudsmann für die Opfer braucht." Aber das sei keine Nachfolgeinstitution für den Bundesbeauftragten, sondern etwas ganz Eigenes.

Die Expertenkommission unter Vorsitz des früheren Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer (CDU), hatte vorgeschlagen, die Stasi-Akten bis 2021 in das Bundesarchiv zu überführen. Sie sollen aber wie bisher zugänglich bleiben. Die zwölf ostdeutschen Außenstellen der Behörde sollten zu mindestens einer Stelle pro Bundesland zusammengelegt werden. Auf dem einstigen Areal der Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg soll eine Stiftung angesiedelt werden.

Aus dem bisherigen Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen soll ferner ein "Bundesbeauftragter für die Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur und ihren Folgen" werden, der nicht mehr Chef einer großen Verwaltung ist. Er soll Bundesregierung und -behörden beraten und Ombudsmann für SED-Opfer sein.

Das Pro und Contra waren auch Mitte der Woche bei einer öffentlichen Anhörung im Bundestags-Kulturausschuss aufeinandergetroffen. Die Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft sprach sich dabei gegen eine Auflösung der Bundesbehörde aus. Dies wäre das Signal zu einer Abkehr von der Aufarbeitung, sagte der Vorsitzende Dieter Dombrowski. Bereits vor dem Ausschuss hatte Birthler erklärt, dass sie enttäuscht sei. "Die Vorschläge sind den Nachweis schuldig geblieben, dass mit den Veränderungen etwas besser wird." Einen Vorteil sehe sie aber für die Forschungsabteilung der Behörde, die eigenständig werden soll.

Kritik kam auch vom Leiter der Stasiopfer-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe. Er sagte, es gebe keine Begründung für die geplante Auflösung. Auch den Plan, die Gedenkstätte in eine neue Stiftung zu integrieren, lehne er ab.

Positiv zu den Vorschlägen der Kommission äußerten sich dagegen der Stasi-Unterlagen-Behördenchef Roland Jahn und Tobias Hollitzer, Gedenkstättenleiter des Leipziger Stasi-Museums "Runde Ecke".