Ein entsprechender Vorstoß von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) stößt bei SPD, Grünen und Linken aber auf heftige Kritik.

"Im Zeitraum vom 1. Januar 2011 bis zum 30. April 2012 konnten mittels Videotechnik 3639 strafrechtliche Delikte festgestellt werden", sagte die Sprecherin. "Aufgeklärt wurden dabei 1230 durch Videobeweis." Dies zeige: Das Mittel wirke.

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) zeigte sich dagegen zurückhaltend. Videoüberwachung werde eingesetzt, aber sie könne "nie solide Polizeiarbeit, solide Arbeit von Sicherheitsbehörden ersetzen, sie ist kein Allheilmittel", sagte eine Sprecherin.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft unterstützte Friedrich. "Wir brauchen auf Bahnhöfen und öffentlichen Plätzen den Einsatz von Videokameras", sagte ihr Vorsitzender Rainer Wendt. Einsatzkräfte könnten dann schnell vor Ort sein, Beweissicherung werde erleichtert.

Der Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bernhard Witthaut, gab zu bedenken: "Wer eine selbst gebaute Bombe an einer belebten Stelle deponiert, lässt sich nicht durch eine Überwachungskamera aufhalten." Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast sagte der "Süddeutschen Zeitung" vom Montag, Friedrich mache es sich mit dem reflexhaften Ruf nach mehr Videoüberwachung zu leicht.

Der schleswig-holsteinische SPD-Vorsitzende Ralf Stegner sagte: "Der Reflex, sich etwas von einer verschärften Überwachung zu erhoffen, ist in aller Regel falsch." Jan Korte, Mitglied im Fraktionsvorstand der Linken, sagte: "Fällt einem Innenminister nichts mehr ein, zieht er den Videoüberwachungsjoker. Dieser Vorschlag ist einfallslos, populistisch und ineffektiv."

Friedrich hatte dem "Spiegel" gesagt, man brauche eine effiziente Videobeobachtung und -aufzeichnung auf öffentlichen Plätzen und Bahnhöfen. Die Modernisierung der Videotechnik müsse schnell vorangetrieben werden. Wie das an Bahnhöfen geschehen soll, ist weiter strittig.

Vom Bahnsteig in Bonn existieren keine Aufzeichnungen aus der Zeit des Anschlagversuchs. Bundespolizei und Bahn streiten darüber, wer das zu verantworten hat. Die Bahn hatte das Areal zwar teilweise per Video beobachtet, die Bilder aber nicht aufgezeichnet. Die Bundespolizei entscheide über die Speicherung. Diese hielt dagegen, die Bahn sei nicht bereit, zusätzliche Aufzeichnungskapazitäten zu bezahlen. Die Sprecherin Friedrichs sagte: "Was die Kosten an den Bahnhöfen angeht, sind wir in guten Gesprächen mit der Deutschen Bahn." Ein Bahn-Sprecher sagte: "Wir sind offen für Gespräche mit der Bundespolizei."

Der Datenschutzbeauftragte Peter Schaar stellte in einem Internet-Blog klar, die Bonner Bahnsteige durften mittels Video überwacht werden. "Die Aufnahmen hätten auch gespeichert werden dürfen." Datenschutzbedenken gegen die Videoüberwachung an gefährdeten Orten gebe es nicht. Doch könne flächendeckende Videoüberwachung weder das Kriminalitätsproblem lösen noch dem Terrorismus wirksam begegnen.