Bisher war vorgesehen, dass die Reform noch im Dezember vom Parlament verabschiedet wird und zum 1. Juli 2008 in Kraft tritt. Nun könnte die entscheidende Parlamentsabstimmung bis zum Februar oder März verzögert werden. Unklar blieb, ob der Termin des Inkraftretens zum 1. Juli 2008 gehalten werden kann oder bis Januar 2009 verschoben werden muss.
Die Opposition kritisierte jedoch die Verschiebe-Pläne. "Die Chaostage in der sächsischen Politik gehen weiter", sagte FDP-Fraktionschef Holger Zastrow. CDU und SPD würden offenbar die Notbremse ziehen, um das verfahrene Großprojekt zu retten. "Zuverlässigkeit und Berechenbarkeit kommen der Regierung zunehmend abhanden", so Zastrow.
Der Kommunalpolitiker der Linken, Sebastian Scheel, sagte, die Koalition bekomme offenbar kalte Füße, nachdem sie die Reform erst "im Schweinsgalopp durchs Parlament peitschen" wollte. Die Fraktion der Linken habe aber bereits wiederholt verfassungsrechtliche Bedenken vorgebracht und behalte sich eine Verfassungsklage vor.
SPD-Finanzpolitiker Mario Pecher erklärte dagegen, er könne "nachvollziehen, wenn es eine Verschiebung um zwei Monate gibt." Im Zuge der Expertenanhörung im Landtag seien noch eine Reihe von Problemen aufgetaucht. Unter anderem gebe es verfassungsrechtliche Bedenken, Vermögensfragen bei der Einkreisung von Großstädten und offene Probleme bei der Neuordnung der Sparkassen.
Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) sagte indes, er halte am Zeitplan der Koalitionsregierung fest, "weil es bisher noch keine stichhaltigen Gründe für eine Verschiebung gibt." Es gebe gute Gründe für den bisherigen Zeitplan, wie die Durchführung der Kommunalwahlen im nächsten Sommer. "Gleichwohl akzeptiere ich natürlich die Rechte des Parlaments", betonte Buttolo.
Mit der Verwaltungs- und Funktionalreform ist die Zusammenlegung der 22 Landkreise auf nur noch zehn Kreise und die Verlagerung von 8400 Landesbeschäftigten auf Landkreise, Kommunen und Landesbehörden vorgesehen.
Der Landkreistag warnte zudem vor Abstrichen und Verzögerungen. Der Gesetzentwurf der Großen Koalition solle "zügig” vom Landtag beraten und "ohne inhaltliche Abstriche” beschlossen werden, forderte die Runde der Landräte. "Wer jetzt dieses Reformvorhaben zerredet und in seiner Substanz verändert, wird von den Bürgern die Quittung erhalten", erklärte der Präsident des Landkreistages, Andreas Schramm (CDU).