Der frühere CDU-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer, wird als Leiter der Kommission zusammen mit dem SPD-Politiker Richard Schröder in der Bundespressekonferenz erwartet. Zuvor soll der Bericht an Bundestagspräsident Norbert Lammert übergeben werden.

Nach den Eckpunkten soll die Behörde in der jetzigen Form nicht weiter bestehen. Die Stasi-Akten sollen in das Bundesarchiv überführt sowie eine Stiftung "Diktatur und Widerstand. Forum für Demokratie und Menschenrechte" gegründet werden, wie es in dem Papier heißt.

Inzwischen wurde bekannt, dass ein Mitglied der Expertenkommission die Vorschläge nicht mitträgt. Die frühere DDR-Bürgerrechtlerin Hildigund Neubert ist dagegen, dass die Stasi-Akten ins Bundesarchiv kommen. Nach ihrer Ansicht gehören dort nur Papiere hin, die nicht mehr aktuell benutzt werden. In der "Welt" hatte Neubert gesagt, es sei das falsche Signal, die Stasi-Unterlagen-Behörde als Institution der Freiheit zu schleifen. "Die 1989 begonnene Tradition der Aufarbeitung wird beschädigt, das Flaggschiff der DDR-Aufarbeitung versenkt." Neubert, bis 2013 in Thüringen Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, hat laut Zeitung ein Minderheitenvotum zu den Empfehlungen verfasst.

Auch der Leiter der Berliner Stasiopfer-Gedenkstätte, Hubertus Knabe, äußerte sich kritisch. Nach dem, was bislang bekannt wurde, wirke das Papier wie ein mühsam ausgehandelter politischer Kompromiss, ohne Probleme zu lösen, sagte Knabe. Er sehe die vorgeschlagene Zerlegung der Stasi-Unterlagen-Behörde mit großer Sorge und befürchte, dass sich die Möglichkeiten der DDR-Aufarbeitung verschlechtern könnten.

Der Leiter der Behörde, Roland Jahn, hatte Ende März gesagt, er sehe die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit auch für die Zukunft als gesichert. "Ich befürchte nicht, dass da etwas verschwindet - ganz im Gegenteil. Veränderung ist eine Chance. Es wird neue Impulse geben", so Jahn.