Michael Czupalla (CDU), Landrat des Kreises Nordsachsen, hält die Diskussion über die Umsiedlung aus hochwassergefährdeten Gebieten für verfrüht. "Wir müssen zwar darüber sprechen", sagte Czupalla am Rande der Wiederaufbaukonferenz in Altzella gegenüber der RUNDSCHAU. "Aber wenn wir jetzt davon reden, bestimmte betroffene Orte nicht mehr zu besiedeln, dann wirkt sich das dort auf die Spendenbereitschaft aus." Wo davon gesprochen werde, einen Ort aufzugeben, sei "kaum noch jemand bereit zu spenden."

Die Bereitschaft umzusiedeln, bestehe in diesen Orten durchaus. "Wer vor elf Jahren als 30-Jähriger mit dem neuen Haus das Hochwasser erlebt hat und jetzt nochmal, der sagt: Gebt mir ein sicheres Grundstück", erklärte Czupalla. Wer aber 65 sei und den Hof von den Großeltern geerbt habe, wird nicht gehen wollen.

Die Diskussion für notwendig hält Arndt Steinbach (CDU), Landrat des von der jetzigen Flut stark betroffenen Kreises Meißen. Er hatte Anfang der Woche zur Aufgabe hochwassergefährdeter Siedlungen geraten. Man müsse dringend die Diskussion führen, "ob man betroffene Gebiete entvölkert", so Steinbach. Viele Betroffene wären zum Umzug bereit, wenn Bund und Land dafür Entschädigungen zahlen würden.

Nach der Flut im Jahr 2002 waren auf dem Gebiet des heutigen Kreises Meißen das Wohngebiet Röderau Süd in der Gemeinde Zeithain aufgegeben worden. Die Bewohner und Gewerbetreibenden erhielten Entschädigungen von insgesamt 40 Millionen Euro von Bund und Land.

Von der Flut waren im Land 295 der 438 Gemeinden betroffen. In 127 Städten und Gemeinden musste sogar Katastrophenalarm ausgerufen werden.