Von Ulrich Thiessen
und Dietrich Schröder

Die Überreste eines illegal getöteten Wisents haben sich zu einem Politikum entwickelt. In einer Kleinen Anfrage wollte der Landtagsabgeordnete Benjamin Raschke (Grüne) wissen, wo der Kopf des streng geschützten Wildrindes geblieben ist. Seiner Ansicht nach gebe es laut Naturschutzgesetz ein Verbot, die Überreste zu verarbeiten.

Schon vor anderthalb Jahren hatte der Tod des Wisents für internationalen Wirbel gesorgt. Das Amt Lebus gab das Wildrind damals zum Abschuss frei, nachdem es die Oder von Polen nach Deutschland überquert hatte. Zur Begründung hieß es, dass von dem Tier Gefahr ausgehe. Später wurde bekannt, dass der Wisent zuvor jahrelang friedlich durch bewohnte Gegenden streifte. Die Empörung war groß.

Landrat Gernot Schmidt erklärte am Donnerstag, dass man den Kadaver dem Jäger überlassen habe – mit dem Hinweis, das Tier nicht wirtschaftlich zu verwerten. Der Jäger soll einen Präparator beauftragt haben, eine Trophäe vom Gehörn und dem Fell der Kopfpartie zu erstellen. Der Rest des Schädels kam ins Naturkundemuseum Potsdam.

Das Landesumweltamt informierte jetzt den Präparator, dass das Land Anspruch auf die Trophäe erhebe. Am Donnerstag erhielt der Jäger einen entsprechenden Bescheid. Er habe nun vier Wochen Zeit, Widerspruch einzulegen. Pläne, was mit dem Kopf geschehen soll, gebe es bislang nicht.

Dass das Tier „nach so lange Zeit noch mal ein Thema wird, wundert mich schon etwas“, sagte der stellvertretende Direktor des polnischen Nationalparks Warthemündung, Roman Skudynowski. Wenn die Möglichkeit bestünde, den präparierten Schädel zu erhalten, „würden wir uns freuen, zumal gerade ein Besucherzentrum und eine ständige Ausstellung zu unserem Park entstehen“. Auf die Idee, den Schädel einzufordern, sei man allerdings nie gekommen. Die Grünen fordern indes, dass sich Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) als Polenbeauftragter des Bundes, um das Problem kümmern soll.