Was sind Transitzonen?
Die Idee hinter den Transitzonen ist, dass noch vor der Einreise geprüft wird, ob ein Schutzsuchender Anspruch auf Asyl hat. Die geplante Regelung ist vor allem auf Menschen aus "sicheren Herkunftsstaaten" vom Balkan gemünzt. Ihre Aussichten auf Asyl sind äußerst gering. Das Bundesinnenministerium legte am Montag Wert auf die Feststellung, dass die Einrichtung "lageabhängig" erfolgen solle. Also offenbar immer dann, wenn der Ansturm besonders groß ist.

Gibt es Beispiele für Transitzonen?
Ja. Das "Flughafenverfahren". Es gilt für Asylbewerber, die auf dem Luftweg einreisen. Wer keine oder gefälschte Ausweispapiere bei sich hat, oder aus einem "sicheren Herkunftsland" kommt, kann am Flughafen festgehalten werden - und sein Asylgesuch wird innerhalb weniger Tage bearbeitet, während sich der Betroffene im Transitbereich des Airports aufhält. Dies geschieht nur an Flughäfen, an denen Asylbewerber direkt auf dem Gelände untergebracht werden können, etwa in Berlin oder Frankfurt am Main.

Auf welcher Rechtsgrundlage will die Regierung die Landesgrenzen einbeziehen?
Eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 2013 bietet diese Möglichkeit. Bislang hat aber offenbar noch kein EU-Land davon Gebrauch gemacht.

Was plant der Innenminister?
Ein der RUNDSCHAU vorliegender Referentenentwurf sieht vor, Flüchtlinge bis zu einer Woche in Transitzonen an den Landesgrenzen festzuhalten. Wird ein Asylgesuch in dieser Zeit als unzulässig und "offensichtlich unbegründet" im Schnellverfahren abgelehnt, sollen Schutzsuchende wieder zurückgeschickt werden. Kann nicht innerhalb einer Woche entschieden werden oder ist eine Unterbringung an der Grenze nicht möglich, "ist die Einreise unabhängig von den Erfolgsaussichten des Asylantrags zu gestatten", heißt es in dem Entwurf. In diesen Fällen soll ein Asylbewerber in eine Erstaufnahmestelle geschickt werden.

Kann das in der Praxis funktionieren?
Der Aufwand ist immens, die Umsetzung kann nicht schnell erfolgen. So müssen laut EU-Richtlinie an der Grenze Unterbringungsmöglichkeiten geschaffen und für eine adäquate Versorgung der Flüchtling gesorgt werden. "Massenlager" oder Ähnliches soll es aber nicht geben, betont das Innenministerium. Vor allem aber ist ein solches Verfahren wohl nur praktikabel, wenn man die Grenzen sichert - Deutschlands Außengrenze umfasst freilich insgesamt 3752 Kilometer. Offen ist zudem, wie genau dann die Zurückweisung der Menschen vonstatten gehen soll.

Was führen Kritiker noch ins Feld?
Pro Asyl beklagt, dass Transitzonen gleich menschenrechtsfreie Zonen seien. So gebe es extrem verkürzte Rechtsfristen, auch keinen Zugang zu Anwälten. Flüchtlinge würden somit de facto in Haft genommen.

Zum Thema:
Im gesamten Jahr 2010 wurden bundesweit etwa 7500 Abschiebungen gezählt, 2011 und 2012 waren es kaum mehr. Im vergangenen Jahr waren es schon knapp 10 900. In diesem Jahr wird die Zahl deutlich höher ausfallen. Laut Innenressort gab es allein in der ersten Jahreshälfte insgesamt 8178 Abschiebungen - etwa 42 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2014. Ende August lag die Zahl der "Ausreisepflichtigen" insgesamt bei etwa 190 000. Eine große Zahl davon - rund 138 000 - sind aber Geduldete, also Menschen, deren Asylantrag zwar keinen Erfolg hatte, die aus verschiedenen Gründen aber nicht abgeschoben werden - etwa weil sie krank sind oder keine Pässe haben.