Er erwarte von der deutschen Regierung eine Entscheidung, die "der authentischen deutsch-polnischen Freundschaft dient", betonte Tusk. Anlass des Treffens von Merkel und Tusk in der Hansestadt war das seit 1356 gefeierte Matthiae-Mahl im Rathaus. Die Union hat im Streit um die Besetzung des Stifterrats der heftig kritisierten Vertriebenen-Präsidentin und CDU-Bundestagsabgeordneten Steinbach den Rücken gestärkt. Deutlich wurde erneut, dass es in dieser Frage zwischen den Koalitionspartnern Union und SPD tiefgehende Meinungsunterschiede gibt. Der polnische Regierungschef warb in der Zeitung um Verständnis für die polnische Ablehnung Steinbachs. Die Entscheidung über den Stiftungsrat sei zwar eine Angelegenheit der deutschen Regierung, in die Polen sich nicht einmische, sagte Tusk. Er bat jedoch darum, den polnischen Standpunkt zu berücksichtigen. "Ich habe meine ganze Autorität immer für gute deutsch-polnische Beziehungen eingesetzt", betonte Tusk. Deshalb habe er das Recht, "eine ehrliche und authentische Einschätzung abzugeben". Unions-Politiker wiesen Forderungen der SPD und polnischer Politiker zurück, Steinbach bei der Besetzung des Stiftungsrates zu übergehen. Der Vizechef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Bosbach (CDU), warf Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) vor, kein Interesse an einer Versachlichung der Debatte zu haben. Der Schriftsteller und Holocaust-Überlebende Ralph Giordano stellte sich ebenfalls vor Steinbach. Damit verbunden war eine indirekte Kritik an dem polnischen Deutschland-Beauftragten, Ex-Außenminister Wladyslaw Bartoszewski. Wer Steinbach eine Revanchistin nenne, begehe Rufmord, sagte Giordano dem "Hamburger Abendblatt" . Der nationalkonservative Oppositionsführer in Polen, Jaroslaw Kaczynski, kritisierte die Gedenkstätte als eine Verletzung der europäischen Nachkriegsordnung. dpa/roe www.lr-online.de/Steinbach