Die Ambitionen der Oberbürgermeisterin von Brandenburg/Havel sind aus seiner Sicht nicht mit dem bisherigen Engagement vereinbar. Dombrowski sagte, dass Frau Tiemann seit mehr als zwei Jahren Mitglied des Landesvorstandes und damit mitverantwortlich für die Landespartei sei.

Die Kommunalpolitikerin sei aber in dieser Zeit nur ein einziges Mal zu einer der zahlreichen Sitzungen des Gremiums erschienen. „Das eine Mal war noch zu der Zeit, als Johanna Wanka als Parteivorsitzende amtierte“, sagte Dombrowski.

Nach der Wahl von Saskia Ludwig im vergangenen Sommer habe die Frau stets gefehlt. Tiemann war für eine Stellungnahme dazu am Freitag nicht zu erreichen. Sie hat ihre Kandidatur für das Amt der stellvertretenden Parteivorsitzenden mit deutlicher Kritik an dem derzeitigen Kurs der Parteichefin und Vorsitzenden der Landtagsfraktion, Saskia Ludwig, verbunden.

Kritik an der Führung Die Partei dürfe nicht nur nach hinten schauen, sagte das ehemalige SED-Mitglied Tiemann zu den Bemühungen der Christdemokraten, die rot-rote Koalition mit den Belastungen aus der Zeit des Übergangs zur Demokratie zu konfrontieren. Außerdem fordert sie mehr Bereitschaft zur Mitverantwortung ein.

Ihr Urteil über die Parteiführung: „Die Union schöpft ihre Möglichkeiten nicht aus.“ Tiemann formulierte diese Kritik in mehreren Zeitungsinterviews der vergangenen Tage zur Begründung ihrer Kandidatur.

Die ist gegen den Wunschkandidaten der Landesvorsitzenden, den früheren Vorsitzenden der Jungen Union, Jan Redmann, gerichtet. Da die Abstimmung über die vier Stellvertreterpositionen allerdings im Block erfolgt, kommt es zu keiner direkten Konfrontation zwischen der jüngst wiedergewählten 56-jährigen Bürgermeisterin und dem Nachwuchspolitiker. Die Landtagsabgeordnete Barbara Richstein und der Cottbuser Kreisvorsitzende Michael Schierack stellen sich genauso wie der Rüdersdorfer Bürgermeister André Schaller erneut zur Wahl.

Kreisverband stützt Tiemann Denkbar wäre aufgrund des Abstimmungsmodus allerdings auch, dass sowohl Tiemann als auch Redmann gewählt werden, dafür aber beispielsweise Richstein oder Schaller durchfallen.

Offen unterstützt wird die jüngst bereits im ersten Wahlgang als Oberbürgermeisterin wiedergewählte Tiemann derzeit nur von ihrem eigenen Kreisverband. Tatsächlich allerdings wird sie sich darauf verlassen können, dass einige der Ludwig-Kritiker hinter ihr stehen.

Ludwig, die insbesondere von der SPD wegen ihres harten Konfrontationskurses stark angegriffen wird, ist sowohl wegen ihres Führungsstils als auch wegen der inhaltlichen Ausrichtung der Partei in den eigenen Reihen nicht unumstritten.

So wird ihr unter anderem vorgeworfen, bei der Debatte um den neuen Großflughafen in Schönefeld zu sehr auf die Airport-Gegner eingegangen zu sein. Auch die Kritik Tiemanns, die CDU beschäftige sich zu sehr mit der Aufarbeitung der Vergangenheit, wird von manchen geteilt.

Ludwig, die sich bereits zu Zeiten der Regierungsbeteiligung der CDU für eine deutliche Abgrenzung von der SPD einsetzte, hat sich darüber hinaus durch eine Reihe von Personalentscheidungen angreifbar gemacht. Eine offene Auseinandersetzung über ihre Politik wird es auf dem Parteitag aller Voraussicht nach aber nicht geben.