Der Unions-Streit könnte zudem durch eine Umfrage neuen Zündstoff erhalten. Nach einer Emnid-Erhebung für den Nachrichtensender N24 geben 19 Prozent der enttäuschten Unionsanhänger an, gar nicht mehr zur Bundestagswahl gehen zu wollen. Bisher schweigt die Kanzlerin zu der parteiinternen Auseinandersetzung. 14 Prozent der Befragten wollten laut der Erhebung beim nächsten Mal die FDP wählen, drei Prozent die SPD. Vor allem eine Wahlenthaltung ehemaliger CDU-Stammwähler hatten in den vergangenen Tagen auch die Kritiker Merkels befürchtet. Diese bleibt aber trotz des Streits nach der Umfrage weit populärer als SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier.Merkel redet auf KongressVon Merkel wird an diesem Mittwoch bei einem CDU-Kongress am 20. Jahrestag des Mauerfalls unter dem Motto "Einheit in Freiheit" ein klärendes Wort zum Streit erwartet. Der Wirtschaftsflügel und einige eher konservative Politiker werfen der Kanzlerin vor, sich in der Großen Koalition zu weit von ihren programmatischen Inhalten entfernt zu haben. Merkel hat bislang zu der Auseinandersetzung, die durch schwache Umfrageergebnisse angeheizt wurde, geschwiegen.Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) warf den Kritikern indirekt Illoyalität vor. Kauder räumte im ZDF-Morgenmagazin ein, dass die Unions-Spitze vielleicht ihre Politik besser erklären müsse. Er warf den Kritikern aber vor, ihre Vorbehalte nicht intern vorgebracht zu haben: "Wenn man berechtigten Grund hat, darf man jeden kritisieren." Das müsse aber nicht öffentlich geschehen. "Es gibt Telefone und Handys, bei Kritikpunkten kann man anrufen und das besprechen."Rückendeckung erhielt Merkel auch von der niedersächsischen CDU, die nach wie vor von ihrem Parteivize Christian Wulff geprägt ist. Der CDU-Landesvorsitzende David McAllister sagte: "Wir sind kanzlertreu. Es wäre hilfreich, wenn sich mancher etwas zurücknehmen würde." Kritik an PofallaDer frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler sah vor allem Versäumnisse seines derzeitigen Nachfolgers Ronald Pofalla: "Das Profil der Partei muss in einer solchen Situation der Generalsekretär herausarbeiten", sagte Geißler der "Leipziger Volkszeitung". Geißler sah die Kritiker Merkels auf dem falschen Weg. "Teile der Union, vor allem der Wirtschaftsflügel, sind mit der Bewältigung dieser Finanzkrise überfordert."Bundestagsfraktions-Vize Wolfgang Bosbach (CDU) bekräftigte in der ARD seine Kritik: "Vielleicht gibt es in der CDU hier und da die Überlegung, die konservative Klientel müsste man nicht besonders ansprechen, die würde ja ohnehin CDU wählen. (. . .) Aber diese Rechnung kann auch daneben gehen." Diese Ansicht vertrat auch die Junge Union im Saarland. "Wenn Angela Merkel sich offensichtlich bei Alice Schwarzer wohler fühlt als beim Papst, dreht sich vielen Unionswählern der Magen um. Die Kanzlerin darf nicht vergessen, dass sie auch Parteivorsitzende ist", teilte JU-Landeschef Roland Theis mit. Die CDU dürfe nicht zu einer "beliebigen Großstadtpartei ohne gesellschaftspolitischen Standpunkt" verkommen.Der langjährige Wahlkampfmanager der Bundes-CDU, Peter Radunski, sah hingegen im "Tagesspiegel" eine mögliche Vergrätzung konservativer Stammwähler als eher nachrangig an: "Die Frage der Orientierung ist zwar wichtig. Die nach der materiellen Sicherheit in Zeiten der Krise ist aber entscheidender." Nach der Emnid-Umfrage rutscht die Union in der Wählergunst nicht noch weiter ab. Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, könnte die Union mit 33 Prozent der Stimmen rechnen - das ist ein Plus von einem Prozent im Vergleich zur Vorwoche. Die FDP legt ebenfalls einen Punkt auf 16 Prozent zu. dpa/das