Eine Verfassungsklage gegen das "Plastinarium" des umstrittenen Leichenpräparators Gunther von Hagens in Guben (Spree-Neiße) wird es vorerst nicht geben. Das sagte der Präsident der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Ulrich Seelemann. Zwar bestehe für die Kirche kein Zweifel, dass das öffentliche Präparieren von Leichen gegen die vom Grundgesetz garantierte Menschenwürde verstoße, aber eine Verfassungsbeschwerde könne sich nur gegen staatliche Akte oder Akteure richten und nicht gegen Privatpersonen."Deshalb können wir momentan nur die zuständigen Behörden auffordern, gegen das Plastinarium vorzugehen", sagte Seelemann. "Wenn sie das nicht tun, werden wir weitersehen". Seit seiner Eröffnung vor rund zwei Wochen sorgt das "Plastinarium" für erheblichen Wirbel. Brandenburgs Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) verbot allen Schulen, während des Unterrichts diese Ausstellung zu besuchen. Er sorgt sich vor allem um die seelische Unversehrtheit der Kinder, die dort im Alter bis 14 Jahren in Begleitung Erwachsener Zutritt haben.

Mehr als 7000 Menschen kamen bereits in die ehemalige Wollfabrik in der strukturschwachen Gegend, darunter viele minderjährige Kinder. In der Schauwerkstatt wird gezeigt, wie anatomische Präparate hergestellt und in Kunststoff gefrorene Menschenleichen in Scheiben zerschnitten werden. Am Eingang steht, dass unter 14-Jährige nur gemeinsam mit Erwachsenen die Ausstellung ansehen dürfen. Von Hagens meint, er halte damit das Jugendschutzgesetz ein.

Das Zerschneiden von toten Menschen in aller Öffentlichkeit" habe nichts mit Wissenschaft zu tun, "sondern dient nur dem Profit und dem Voyeurismus", meint Bildungsminister Rupprecht. Bischof Wolfgang Huber, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, spricht von einer "Verrohung der Sitten, bei der nicht nur Körper, sondern auch Seelen in Scheiben geschnitten werden".

Dagegen sieht der Potsdamer Psychologe Günter Esser keine Gefahr für eine Schädigung von Kindern. "Die Schau ist etwas zwischen Kunstwerk, Anatomie und vielleicht auch Blasphemie, aber Kinder werden dadurch aus meiner Sicht nicht belastet oder verroht", sagt der Inhaber des Lehrstuhls für klinische Psychologie an der Universität Potsdam.

Von Hagens warf derweil Rupprecht vor, "nicht über die Wissenschaftlichkeit des Plastinariums informiert" zu sein und bot dem Minister ein aufklärendes Gespräch an. Wie Ministeriumssprecher Stephan Breiding sagt, will sich Rupprecht in den nächsten Tagen dazu äußern. Dem Minister gehe es nicht um ein Verbot der Einrichtung, sondern um den Schutz von Kindern und Jugendlichen.