"Wir bewerten den Charakter der Sommertour des Ministers nach wie vor anders", sagte Pressesprecherin Ingrid Mattern am Donnerstag. Es habe "im Frühsommer des Jahres 2014 - wie in den Monaten davor - zahlreiche aktuelle Anlässe gegeben, die zur Vereinbarung von Vor-Ort-Terminen Anlass geboten haben." So habe Christian Görke Polizeidienststellen etwa "in seiner Eigenschaft als zuständiger Minister für Landesliegenschaften" aufgesucht. Ansonsten sei Görke jedoch Einladungen etwa des Landessportbunds, des Bauindustrieverbands, einer Landärztin oder der Sportjugend gefolgt. "Der Minister der Finanzen ist aufgrund seiner Gesamtverantwortung für den Landeshaushalt und die Liegenschaften des Landes zuständig für eine Vielzahl von Querschnittsthemen." Thema war die Sommertour des Finanzministers gestern auch im Haushaltsausschuss des Parlaments. Dort erneuerte der CDU-Landtagsabgeordnete Steeven Bretz die deutliche Kritik seiner Fraktion an Görke. "Ein Finanzminister, der nicht in der Lage ist, sein Ministerium so zu führen, dass geltendes Recht eingehalten wird, ist ein Finanzminister, der sich seiner Glaubwürdigkeit beraubt", sagte der CDU-Politiker. "Wir brauchen eine öffentliche Diskussion darüber, wie eine Trennung von Regierungshandeln und Wahlkämpfen künftig erfolgt." Görke habe "definitiv gegen die Landeshaushaltsordnung verstoßen." Görke selbst verwies darauf, dass auch die Staatsanwaltschaft Potsdam auf die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen ihn verzichtet habe, weil es "keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten des brandenburgischen Finanzministers" gegeben habe. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Gutachtens hatte sich die Brandenburger CDU an Landtagspräsidentin Britta Stark mit der Bitte gewandt, zu diesem Thema noch einmal den Wahlprüfungsausschuss des Landtags einzuberufen. Unterstützung erhielten die Christdemokraten dabei gestern von der bei der Landtagswahl aus dem Parlament ausgeschiedenen FDP, die die Sommertour schon 2014 scharf kritisiert hatte. "Es geht nicht, dass sich der stellvertretende Ministerpräsident und Finanzminister über geltende Regeln hinwegsetzt, um seinen Wahlkreis zu gewinnen", sagte deren stellvertretender Landesvorsitzender Hans-Peter Goetz. "Wir würden es sehr begrüßen, wenn der Ausschuss noch einmal zusammenträte."