Mario Müller Milano, der Händler-Sprecher, stellte Hilbert daraufhin eine Verleumdungsklage in Aussicht. Hilbert kündigte für den Fall eines Händlerstreikes massive Reaktionen an, die von Widerruf der Zulassung und sofortiger Standräumung bis zu gewerberechtlicher Prüfung reichen können, was Müller Milano seinerseits von Erpressung sprechen ließ.

Bisheriger Markt Banalisierung
Der Wirtschaftsdezernent hatte sich mit Kreuzkantor Roderich Kreile prominenten Beistand geholt, als er am Montag das künftige Konzept der Dresdner Weihnachtsmärkte der Öffentlichkeit vorstellte. Den bisherigen Striezelmarkt empfinde er als eine Banalisierung, gab sich Kreile schroff, einfach würdelos. Dinge die mit Weihnacht nichts zu tun haben würden "in eine Märchenwelt hineingeschoben". Damit spielte er auf das große Märchenschloss auf dem Striezelmarktgelände an, das nach dem Geschmack des Kirchenmusiker offenkundig nur schwer mit der christlichen Weihnachtsbotschaft in Übereinstimmung zu bringen ist. Der Kreuzchor werde dort nicht auftreten.
Ivonne Kubitza, die Chefin der Dresden Werbung und Tourismus GmbH (DWT), aber will auf Kreile und den Kreuzchor in Zukunft nicht verzichten. Das Schloss muss weg - wegen der neuen, überdachten Bühne, die dann gebraucht werde, wie Kubitza ihrerseits den Abschied von der Märchenwelt begründet. Die DWT und Kubitza sollen bei den Dresdner Weihnachtsmärkten künftig das Sagen haben. Wirtschaftsdezernent Hilbert will allen Widerständen der Händler zum Trotz an der Privatisierung der Dresdner Weihnachtsmärkte festhalten und sie der Regie der DWT unterstellen.
Die Dresdner Weihnachtsmärkte - das sind mittlerweile drei an der Zahl, der Weihnachtsmarkt auf der Prager Straße, der auf der Hauptstraße zu Füßen des Goldenen Reiters und eben der Striezelmarkt auf dem Altmarkt. Alles soll größer und schöner werden, der Striezelmarkt, das Herzstück des Dresdner Weihnachtsmarktgeschehens aber, soll wie ein Markenzeichen leuchten. Deshalb die Eröffnung künftig mit Kreuzchor, jedes Jahr am Donnerstag vor dem ersten Advent, einen Tag vor der Eröffnung des Nürnberger Christkindlmarktes. Das Händlersortiment soll strikt auf Weihnachten ausgerichtet werden, Pfefferkuchen, Weihnachtschmuck, Weihnachtsfiguren, Schmuck, Fell- und Wollartikel und natürlich den Striezel, den Stollen mit Stollenmädchen, weihnachtliche Chormusik und abendliches Turmblasen. "Swinging Chrismas" und Geschenkartikel im weiteren Sinne , Kosmetika oder Haushaltswaren beispielsweise, sollen künftig bestenfalls auf der Prager Straße zu finden sein.

Korruption wird Tür und Tor geöffnet
Diese Sortimentsbeschränkung ist es vor allem, die die Händler auf die Palme bringt, und die Furcht, bei Ausschreibung und Vergabe von Marktständen nicht mehr in Widerspruch gehen zu können, wenn der Striezelmarkt einem privaten Unternehmen übertragen wird, auch wenn die Stadt dort Mehrheitsgesellschafter ist. Der Korruption werde Tür und Tor geöffnet, heißt es. Im Januar kommt das neue Konzept in den Stadtrat. Die Händler wollen deshalb das Gespräch mit den Fraktionen im Rathaus suchen. Ob es wirklich zu einem Händlerstreik kommt, sollte am gestrigen späten Abend beraten werden. Die Händler wollten eigentlich nicht streiken, deutet Müller Milano Einlenken an.