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Streit um digitales Lernen

Der Einsatz von Tablets im Schulalltag ist umstritten.
Der Einsatz von Tablets im Schulalltag ist umstritten. FOTO: dpa
Gütersloh. Computer und Smartphones im Einsatz in der Schule: Der Wille zum digitalen Lernen ist laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung nicht nur bei den Schülern längst angekommen. Auch Lehrer und Schulleiter begrüßen demnach die neuen Technologien im Klassenzimmer. Carsten Linnhoff / dpa

Etwa 70 Prozent der Schulleiter und Lehrer sind davon überzeugt, dass digitale Medien ihre Schule attraktiver machen. Allerdings glauben nur 23 Prozent, dass diese das Lernergebnis auch verbessern. Und nur zehn Prozent der Lehrer setzen auf digitale Medien, die individuelles Lernen fördern.

Für besseres digitales Lernen in der Schule fehlt es laut Studie an Konzepten, Weiterbildung und der nötigen Technik - nicht nur bei der Stärke der drahtlosen Internetverbindung (Wlan) in der Schule. Nur jeder dritte Lehrer ist mit der Bandbreite des Internet-Zugangs zufrieden. 20 Prozent geben sogar an, kein Wlan an der Schule zu haben.

Immerhin 80 Prozent der Schüler sagen, dass sie durch Lernvideos, Internetrecherche und digitale Präsentationen aktiver und aufmerksamer sind.

"Schule nutzt das pädagogische Potenzial des digitalen Wandels noch nicht", sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung. "Digitale Medien können dabei helfen, pädagogische Herausforderungen wie Inklusion, Ganztag oder die Förderung lernschwacher Schüler besser zu bewältigen."

Scharfe Kritik an der Studie äußert der Hochschulprofessor und Buchautor Gerald Lembke ("Die Lüge der digitalen Bildung: Warum unsere Kinder das Lernen verlernen"). Nach seiner Auffassung beleuchtet die Stiftung das Thema zu einseitig. "Die Haltung der Bertelsmann-Stiftung zum Thema Digitales ist grundsätzlich positiv. Auch in dieser Studie finden Sie auf 60 Seiten nur die Vorteile, nicht die Nachteile des digitalen Lernens", sagt Lembke. "Es gibt aber keine wissenschaftlichen Beweise. Die OECD hat 2015 ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Einsatz von digitalen Hilfsmitteln kritisch zu sehen ist. Und zwar je jünger die Schüler sind, umso mehr ist davon abzuraten, wenn es um den Lernerfolg geht."

Auch bei der Interpretation der Zahlen der Studie meldet der Wissenschaftler der Dualen Hochschule Baden-Württemberg seine Zweifel an. "Für jeden Schulleiter ist eine möglichst gute digitale Ausstattung ein Werbefaktor im Kampf um neue Schüler, denn eine moderne Schule lässt sich besser verkaufen." Digitale Inhalte will Lembke nicht generell verteufeln. Er rät aber zum gezielten und ausgewählten Einsatz.

Zum Thema:
Die Studie "Die Schulen im digitalen Zeitalter" ist die dritte Ausgabe des "Monitors Digitale Bildung". Mit dieser Serie liefert die Bertelsmann-Stiftung repräsentative Daten zum Stand des digitalen Lernens in den Sektoren Schule, Ausbildung, Hochschule und Weiterbildung. Befragt wurden 2000 Schüler, Lehrer, Schulleiter sowie Experten aus Politik und Verwaltung. Zusätzlich führten die Wissenschaftler Interviews mit Bildungspolitikern. Gefragt wurde zum Beispiel, "Wie gehen Sie damit um, wenn Schüler ihre eigenen mobilen Geräte mit in den Unterricht bringen?" oder "Inwieweit stimmst Du den folgenden Aussagen zu?": Mögliche Antworten: "Im Unterricht sollten Handy, Smartphones oder Tablets zum Lernen erlaubt sein" oder "Ich nutze zum Schreiben lieber Stift und Papier als Tastatur" oder "Ich finde es gut, wenn Handys, Smartphone oder Tablets in der Schule verboten werden." (dpa)