Ursprünglich sollten die Überreste der Toten würdevoll auf einer zentralen Gedenkstätte in Prag bestattet werden, doch dem deutsch-tschechischen Prestigeprojekt droht aus Geldmangel das Aus. Was aus den Gebeinen wird, weiß derzeit niemand.

Unverständnis wächst
Im Westen von Prag überwuchert Efeu die Wege des früheren Evangelischen Friedhofs. Auf dem ein Quadratkilometer großen Grundstück begruben die deutschen Protestanten bis zu ihrer Vertreibung 1945 die Toten. Seitdem liegt der Ort brach. Eigentlich will der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) auf dem Friedhof im Stadtteil Strasnice die Gebeine von bis zu 5000 deutschen Gefallenen bestatten. Bereits Ende 2001 hatte die Organisation deswegen mit der tschechischen Hauptstadt einen Vertrag über die Nutzung des Areals geschlossen. Seitdem zieht sich die Verwirklichung des Projektes hin. Das Vorhaben erregte stets das Gemüt der Prager. "Viele meinen: Warum werden die Gefallenen nicht nach Deutschland gebracht", sagt der ehemalige Vorsitzende vom Rat der NS-Opfer, Oldrich Stransky. "Aber das ist lächerlich. Unsere Gefallenen liegen auch in Deutschland und anderen Ländern." Der Holocaust- Überlebende Walter Beck meinte, er könne sich deutsche Soldatengräber in Prag vorstellen. Ihm gehe es um den Charakter der Anlage. "Wenn da steht: Sie waren Helden, ist das ein Problem. Aber wenn da steht: Sie kämpften tapfer, aber für eine schlechte Sache, ist das tragbar."
Einerseits sollten die Gedenkstätten allen Opfern von Krieg und Gewalt gelten, hatte der VDK betont. Das zeigen unter anderem die Inschriften. In der Gedenkstätte in der nordmährischen Stadt Opava (Troppau), eine von neun nach der politischen Wende in Tschechien geschaffenen Anlagen, heißt es: "Hier ruhen deutsche Soldaten des Krieges 1939 - 1945. Gedenket ihrer und der Opfer aller Kriege. Ihre Schicksale mahnen uns zur Versöhnung." Andererseits möchte der VDK Gedenkstätten schaffen, die in das Programm von Staatsbesuchen Eingang finden. Die Tätigkeit der Organisation in Tschechien sei "absolut legal", unterstreicht der Historiker Vladimir Kaiser: "Eine Skandalisierung ist unangebracht."

Verstoß gegen Gesetz
Ein VDK-Mitarbeiter bestätigte indirekt, dass die Organisation nach einem "kostengünstigeren" Ort außerhalb Prags suche. Der Oberbürgermeister von Usti nad Labem, Petr Gandalovic, schüttelt darüber den Kopf. Sollten die Gebeine nicht bald bestattet werden, fürchtet er, werde seine Stadt zur Kultstätte für Extremisten.
Einen Besucher wird die Halle mit Sicherheit bekommen: den Direktor des örtlichen Hygieneamtes, Josef Trmal. Die Lagerung der Knochen dort verstoße vermutlich gegen das Bestattungsgesetz, hatte Trmal bereits erklärt: "Das ist eine Unverschämtheit erster Klasse."