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Streit um das Wehrmachtserbe

Berlin. Die Verteidigungsministerin will das Traditionsverständnis in der Truppe auf den Kopf stellen. Kritikern geht das zu weit. Einer spricht sogar von "Hexenverbrennung". dpa/sm

Der Umgang der Bundeswehr mit der Wehrmacht hat heftige Gegenreaktionen ausgelöst. Der ehemalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) bezeichnete das Abhängen eines Bilds des 2015 gestorbenen Altkanzlers Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform als "empörend" und sprach von einer "bildstürmerischen Aktion". "Hexenverbrennung hätte man das früher wohl genannt", schrieb Scharping in einem Gastbeitrag für die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Im Zuge der Affäre des unter Terrorverdacht stehenden rechtsextremen Oberleutnants Franco A. lässt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) Kasernen auch nach Andenken an die Wehrmacht durchsuchen. Heute will die Ministerin die Mitglieder des Verteidigungsausschusses informieren.

Auch CSU-Politiker wehren sich dagegen, jedes Andenken an die Wehrmacht und ihre Soldaten zu verurteilen. Politischer Missbrauch der Wehrmacht durch die Nationalsozialisten dürfe nicht zu einer "Pauschalverurteilung" führen, schrieb der Justiziar der Unionsfraktion im Bundestag, Hans-Peter Uhl, in einem Gastbeitrag für den "Münchner Merkur". "Dies fordert die Achtung gegenüber unseren Vätern und Großvätern."

Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer (CSU) sagte, Millionen Deutsche bewahrten Fotos ihrer Väter in Wehrmachtsuniform auf. Diese seien "unter der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten eingezogen" worden. "Eine pauschale Verurteilung ihrer Väter empfinden viele Deutsche als ungerecht."

Als Zeichen für einen neuen Umgang der Bundeswehr mit ihrer Tradition will von der Leyen auch die Namensgebung von Kasernen auf den Prüfstand stellen. Die Truppe müsse nach innen und außen klar signalisieren, dass sie nicht in der Tradition der Wehrmacht stehe, erklärte auch Singhammer. Mehr als 20 Kasernen sind heute noch nach Männern benannt, die einst in der Wehrmacht gedient hatten.