Ausgelöst wurde dies der "Financial Times Deutschland" zufolge durch eine Äußerung des stellvertretenden Vorsitzenden der Kommission, Musa Marufi, wonach die neue Verfassung keine Trennung von Staat und Religion vorsehen werde. An eine festgeschriebene Trennung von Staat und Religion "sollte man noch nicht einmal denken", sagte Marufi. Andere Kommissionsmitglieder hätten der Gleichberechtigung von Männern und Frauen sowie einer Volksabstimmung über die künftige Verfassung eine Absage erteilt. "Das hätte auch Talibanchef Mullah Omar sagen können", kritisierte einer der Teilnehmer Marufis Äußerung. Die Vorsitzende des Anwältinnenvereins von Kabul, Suraja Paikan forderte, dass die Gleichberechtigung von Mann und Frau "selbstverständlich" in der Verfassung garantiert werden müsse.
Unterdessen warnte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul davor, sich durch andere regionale Konflikte vom Engagement in Afghanistan ablenken zu lassen. "Der langfristige Wiederaufbau ist der wirkliche Ernstfall", sagte die Ministerin der "Berliner Zeitung". Das größte Hindernis in der Entwicklungsarbeit sei bislang die fehlende Sicherheit in Afghanistan. Dennoch seien die "konkreten Lebensumstände" dort schon besser geworden, betonte sie. Insbesondere für Frauen hätten sich die Lebensbedingungen verbessert. Zudem seien in der Verfassungskommission neben fünf Männern auch zwei Frauen vertreten. "Das ist für Afghanistan ein Riesenfortschritt", betonte Wieczorek-Zeul. (dpa/kr)