Es sind zwei Themen, die die Öffentlichkeit in den vergangenen Monaten bewegten: Die Frage nach dem Burkaverbot und die Diskussion über minderjährige Flüchtlinge, die mit wesentlich älteren Erwachsenen verheiratet nach Deutschland kommen. Gestern nun beschäftigte sich auch der Brandenburger Landtag damit. Zunächst brachte die CDU einen Antrag ein, in dem sie sich für ein Verbot von Kinderehen aussprach. "Deutschlandweit sind im letzten Jahr 1500 Kinderehen registriert worden", sagte Barbara Richstein. "Meistens sind es minderjährige Mädchen - in 360 Fällen war das Mädchen unter 14 Jahren alt." Richsteins Rede orientierte sich an der geltenden Gesetzeslage und machte deutlich, dass "elf-, zwölf- oder 14-jährige Mädchen nicht in die Ehe, sondern in eine Schule gehören".

Doch wenige Minuten später wurde deutlich, dass nicht alle Abgeordneten in der Lage sind, sich mit einem solchen Thema sachlich auseinanderzusetzen. Der AfD-Redner Andreas Galau sprach vom "importierten Kindesmissbrauch" - und machte im Übrigen deutlich, dass ihm die Gesetzeslage nicht sonderlich bekannt ist. "Der Verkauf von Tabakwaren und Alkohol an Minderjährige ist hierzulande verboten, die Heirat eines Kindes aber nicht." Tatsächlich dürfen in Deutschland 16-Jährige Bier oder auch Wein kaufen. Und ab dem Alter von 16 können Minderjährige beim Familiengericht beantragen, heiraten zu dürfen. Aber das ist eine Ausnahme. Und als die Abgeordnete Andrea Johlige (Linke) von einem konkreten Fall in Nauen berichtete, bei dem eine Minderjährige vor ihrer Flucht nach Deutschland einen Cousin heiratete, um auf der Flucht besser geschützt zu sein, warf ihr der AfD-Politiker Sven Schröder vor, eine "Lanze für Pädophilie und Inzest" gebrochen zu haben. "Ein intellektuelles Armutszeugnis", wie es Johlige anschließend formulierte.

Das aber war nicht das Ende der Debatte. Wenige Minuten später brachte die AfD einen Antrag zu einem Verbot der Gesichtsverschleierung in Landesbehörden und -einrichtungen ein. Ein klassischer Wiedergänger: Schon in der Plenarsitzung davor hatten die Rechtspopulisten solch einen Gesetzesentwurf eingebracht, der mit den Stimmen der übrigen Fraktionen abgelehnt wurde.