Der Streit zwischen mehreren Zeitzeugen und der Gedenkstättenleitung hat die gestrige Eröffnung der neuen Dauerausstellung im Ex-KGB-Gefängnis in der Potsdamer Leistikowstraße überschattet. Während mehrere Zeitzeugenverbände den Ausstellungsmachern erneut vorwarfen, nur bruchstückhaft an die Schicksale unschuldiger Häftlinge zu erinnern, verteidigte Gedenkstättenleiterin Ines Reich das Konzept. In dem Untersuchungsgefängnis der sowjetischen Spionageabwehr wurden von 1945 bis 1989 Häftlinge unter meist menschenverachtenden Bedingungen festgehalten.

Der Gedenkstättenverein Leistikowstraße, der Menschenrechtsverein Memorial und die Zeitzeugen-Initiative Leistikowstraße hatten zu einer Gegenveranstaltung in die nur gut 100 Meter entfernte Villa Quandt geladen. Bei einer dortigen Pressekonferenz kritisierten Zeitzeugen, von denen viele sich seit 1994 für den Erhalt und die Begehbarkeit des Hauses eingesetzt hatten, die Ausgrenzung durch die 2008 gegründete Gedenkstättenstiftung. Die Stiftung habe den Zeitzeugen von Anfang an Ablehnung entgegengebracht, beklagte etwa der Sprecher der Zeitzeugeninitiative, Bodo Platt. Außerdem sei das Haus bei den Sanierungsarbeiten für die Dauerausstellung verändert und so die Authentizität gemindert worden. So sei etwa ein Teil des Kellers nicht mehr zugänglich, weil angeblich der Brandschutz dies vorschreibe, sagte Platt.

Auch dass der hohe Bretterzaun, der das Gebäude einst umgab, entfernt wurde, ärgert Platt, der 1948 wegen angeblicher Spionage in das Gefängnis in der Leistikowstraße eingeliefert wurde. Zudem hätten die Zeitzeugen mehr als zwei Jahre dafür kämpfen müssen, dass die Kellerfenster wie im Original verdunkelt blieben. "Wir saßen dort in Dunkelzellen, mit Glühbirnen von vielleicht 15 Watt", betonte er.

In der gesamten Ausstellung überlagerten Details über den sowjetischen Geheimdienst KGB die Einzelschicksale der Inhaftierten, sagte Platt. Zudem werde der KGB als Geheimdienst wie jeder andere auch dargestellt. Er gehe davon aus, dass politische Gründe dahintersteckten.

Gedenkstättenleiterin Reich widersprach dieser Darstellung. In der Dauerausstellung würden 19 Einzelschicksale von ehemaligen Inhaftierten sehr ausführlich dargestellt und zahlreiche Interviews mit Zeitzeugen präsentiert, sagte sie. Von einer Ausgrenzung der Häftlinge könne keine Rede sein, betonte auch der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Günter Morsch. "Wir haben mit 50 Zeitzeugen zusammengearbeitet".

Der Konflikt sei aus unterschiedlichen Erwartungen an den Ort entstanden, sagte Reich. Einige Häftlinge hätten sich eine Art Mahnmal erhofft. Ziel der Stiftung sei aber ein modernes Museum mit einem Bildungsauftrag. Allerdings werde auch der Opfer gedacht: Nach der offiziellen Eröffnung mit Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) wurde eine Gedenktafel eingeweiht und Kränze wurden niedergelegt.