Die gewalttätigen Tumulte im Erstaufnahmeheim für Asylbewerber in Chemnitz vor etwa drei Wochen beschäftigten gestern den Innenausschuss des sächsischen Landtages. Die Ursache für die Krawalle ist laut Polizei noch immer unklar. In der Nacht zum 25. September war es in der überfüllten Einrichtung zu einem Gewaltausbruch zwischen Asylsuchenden gekommen. Dabei wurden 21 Menschen verletzt, zwei von ihnen schwer.

Die Linksfraktion will erreichen, dass die Lebensbedingungen der in Sachsen ankommenden Flüchtlinge grundlegend verbessert werden. Sie hat einen Antrag vorgelegt, der bei der Sondersitzung im Innenausschuss beraten wurde. Unter anderem sollen die Flüchtlinge künftig nicht mehr in einer zentralen Einrichtung, sondern möglichst in Wohnungen leben können. Zudem verlangt die Fraktion eine professionelle soziale Betreuung der Flüchtlinge. Innenminister Markus Ulbig (CDU) hatte nach den Krawallen ein härteres Vorgehen im Vorfeld des Ausschusses angekündigt: "In der Erstaufnahmeeinrichtung gibt es fortan Polizeistreifen und anlasslose Kontrollen der Unterkünfte, damit dort die Sicherheit hergestellt wird." Gegenüber den Ausschussteilnehmern stellte er mehr Geld für Investitionen in sächsischen Asylbewerberheimen in Aussicht. Zur Höhe machte er am Dienstag im Landtags-Innenausschuss keine Angaben, wie die Linke-Abgeordnete Freya-Maria Klinger erklärt.

"Genauso ernst, wie wir über die Zustände bei der Unterbringung von Flüchtlingen in Sachsen diskutieren, müssen wir die Ängste der Anwohner berücksichtigen", betonte der Grünen-Landesvorsitzende Volkmar Zschocke. Auch er hat mehrere Einzelstandorte statt des zentralen Heims vorgeschlagen.

Die Polizei war nach dem Gewaltausbruch in der ehemaligen Kasernenanlage in Chemnitz-Ebersdorf mit einem Spezialkommando angerückt und hatte die Gebäude durchsucht. Ein 17-Jähriger sitzt in Untersuchungshaft. Ihm wird Landfriedensbruch in besonders schwerem Fall vorgeworfen. Die Schwerverletzten hätten das Krankenhaus inzwischen wieder verlassen.

Bei der Prügelei und dem Polizeieinsatz war die Einrichtung zu Bruch gegangen, sei aber wieder bewohnbar. Die Presse darf nicht auf das Gelände - um die Asylbewerber zu schützen, wie die Landesdirektion mitteilt. Manche Flüchtlinge müssten auch hier Verfolgung aus ihren Heimatländern fürchten, sollten sie in den Medien erscheinen.

In dem Erstaufnahmeheim in Chemnitz lebten zu Wochenbeginn fast 430 Menschen vor allem aus Tschetschenien. Weitere etwa 530 Asylbewerber sind in der Außenstelle in Schneeberg untergebracht. Am vergangenen Samstag hatte es sowohl in Chemnitz als auch in Schneeberg Demonstrationen von Kritikern des Heims sowie von deren Gegnern gegeben. Heute und Donerstag wird das Thema erneut im Landtag diskutiert.