Vor dem Präsidentenpalast in der polnischen Hauptstadt, wo die sterblichen Überreste von Kaczynski und seiner Frau Maria aufgebahrt sind, hatten auch in der Nacht und am Mittwochmorgen zahlreiche Menschen in der Kälte ausgeharrt, um dem Präsidentenpaar die letzte Ehre zu erweisen. Die Schlange war bis zu einen Kilometer lang, die Wartezeit betrug zehn Stunden. Am Sonntag soll das Präsidentenpaar in der Kathedrale auf der Wawel-Burg, der ehemaligen Residenz der polnischen Könige in Krakau, beigesetzt werden. An der Trauerfeier wollen auch zahlreiche ausländische Staatsgäste teilnehmen, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundespräsident Horst Köhler, US-Präsident Barack Obama, der französische Staatschef Nicolas Sarkozy und Russlands Präsident Dmitri Medwedew. In Krakau protestierten am Dienstagabend Hunderte Menschen gegen die geplante Beisetzung in der berühmten Kathedrale. "Ist er wirklich eines Königs würdig?", stand auf einem Schild, das die Demonstranten in die Höhe hielten. Einige skandierten "Nein zu Wawel" und forderten, das Präsidentenpaar stattdessen auf dem historischen Powazki-Friedhof in Warschau beizusetzen. Nach dem Unfalltod ihres Präsidenten werden die Polen voraussichtlich am 20. Juni einen neuen Staatschef wählen. Wie Parlamentspräsident Bronislaw Komorowski am Mittwoch mitteilte, will er den Termin für die erste Runde der vorgezogenen Präsidentenwahl offiziell erst am Mittwoch kommender Woche bekannt geben. Damit kämen die beiden Sonntage vor dem 20. Juni nicht mehr infrage. Komorowski hatte nach Kaczynskis Tod kommissarisch die Amtsgeschäfte des Präsidenten übernommen. Laut Verfassung muss er binnen zwei Wochen einen Termin für Neuwahlen festlegen. Diese wiederum müssen in den folgenden 60 Tagen abgehalten werden, der Tag der Ankündigung von Neuwahlen mit einbegriffen. Unterdessen wurde ein Großteil der 96 Opfer der Flugzeugkatastrophe identifiziert. Bisher habe die Identität von insgesamt 64 Toten geklärt werden können, sagte ein Sprecher des russischen Katastrophenschutzministeriums. Nach polnischen Angaben sollten am Mittwoch die sterblichen Überreste weiterer 30 Opfer nach Warschau überführt werden. AFP/kr