Doch nun gibt es Zoff, denn gleich zwei Songs konkurrieren um die Gunst einer offiziellen Hymne. Was bei der Streiterei aufbricht, ist wohl auch der alte Ossi-Wessi-Disput.
Denn die von der Stadt mit der Hymnen-Produktion beauftragte Wahl-Frankfurterin Juliane Rößler wollte zwar bei der Umsetzung einer entsprechenden CD mit den Künstlern aus der Oderstadt zusammenarbeiten, setzte ihnen jedoch einen fertigen Song mit dem Titel "2003 - wir sind dabei" vor. Komposition und Text stammen von einem Autoren aus Rößlers alter Heimat Lübeck. Was die Musiker und Texter an der Oder besonders verärgerte, ist die angebliche Motivation der westdeutschen Marketing-Frau: Weil man die Frankfurter erst aus ihrer Lethargie holen müsste, würden die so eine Hymne ohne Hilfe gar nicht hinbekommen.
Dieses Gerücht machte in der Künstlerszene schnell die Runde und trieb vor allem Sängerin Kati Karney auf die Barrikaden. "Wir sind doch nicht bescheuert im Osten", wetterte die blonde Frankfurterin mit der Drei-Oktaven-Stimme. Und auch andere Künstler monierten einen Frankfurt-Song, der zwar das Zeug zum Ohrwurm hat, bei dem aber keine Note und keine Zeile von einem Frankfurter stammt. Kati Karney, 30-jährige Tochter des ortsansässigen Handwerkskammer-Präsidenten und CDU-Landtagsabgeordneten Detlef Karney, verfügt über einschlägige Erfahrungen in der Show-Branche, war über Jahre bei Schlager-Produzent Ralf Siegel unter Vertrag und hat seit kurzem nicht nur ein eigenes Studio sondern auch ein Plattenlabel.
Grund genug für die Sängerin, zusammen mit anderen Künstlern einen eigenen Frankfurt-Song zu machen. "Jetzt sind wir hier" lautet der Titel der emotional ansprechenden Ballade, die kürzlich beim Frankfurt-Empfang in Berlin bereits ihre Überraschungs-Premiere feierte. Auch Oberbürgermeister Martin Patzelt (CDU) zeigte sich angetan und hielt den Song für die offiziell in Auftrag gegebene Hymne. Inzwischen ist auch ihm klar, dass es zwei Anwärter dafür gibt. Warum nicht beide Lieder auf einer CD, lautet Patzelts Vermittlungsvorschlag. Musikalische Liebeserklärungen könne Frankfurt nicht genug haben. Doch der Hymnen-Streit ist längst im Gange. Von Plagiat und Ideenklau ist dabei die Rede, auch das Wort "Zicke" soll schon mehrfach gefallen sein. Unklar ist, welche Künstler - von Rock-Bands, über Kabarettisten, Rapper, Chor und Folk-Gruppe bi s hin zum Staatsorchester - und bei welchem Projekt mitmachen.
"Ich stelle mich dem Wettbewerb, sollen doch die Frankfurter entscheiden, welches Lied ihnen besser gefällt", gibt sich Sängerin Karney kämpferisch. Bereits zur Eröffnung des deutsch-polnischen Europagartens am 9. Mai wollen sich die Künstler ihren Angaben nach mit "Jetzt sind wir hier" dem breiten Publikum vorstellen. Die für Mitte April geplante Fertigstellung von "2003 - wir sind dabei" wird sich laut Rößler verzögern.