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Streik wirbelt Verkehr durcheinander - Weniger Lokführer beteiligt

Ungewöhnlich leer ist am Morgen des 22.04.2015 der Hauptbahnhof in Berlin. Die Lokführergewerkschaft GDL hat am 22.04. den Streik auf den Personenverkehr der Deutschen Bahn ausgedehnt.
Ungewöhnlich leer ist am Morgen des 22.04.2015 der Hauptbahnhof in Berlin. Die Lokführergewerkschaft GDL hat am 22.04. den Streik auf den Personenverkehr der Deutschen Bahn ausgedehnt. FOTO: Bernd von Jutrczenka (dpa)
Berlin. Der Lokführerstreik trifft seit Mittwochmorgen auch den Personenverkehr in Berlin und Brandenburg. In der Hauptstadt waren die wenigen noch fahrenden Züge - ebenso wie die nicht bestreikten Busse und Bahnen der BVG - oft schon mehr als voll. dpa

Der Lokführerstreik bei den S- und Regionalbahnen in Berlin und Brandenburg hat vor allem den Berufsverkehr erheblich durcheinandergebracht. Wer sich nicht rechtzeitig über Ausfälle informierte, hatte oftmals das Nachsehen und kam zu spät zur Arbeit. So fahren am Mittwoch nur gut ein Drittel der Berliner S-Bahnen. Auch bei den Regional- und Fernzügen gibt es ein deutlich geringeres Angebot als üblich. Der Ersatzfahrplan wird laufend aktualisiert. Die Lokführergewerkschaft GDL bestreikt den Personenverkehr noch bis Donnerstagabend um 21.00 Uhr.

Nach Angaben der Deutschen Bahn fuhren aber seit dem Vormittag mehr Züge als im Ersatzfahrplan vorgesehen - sowohl bei den Regional- als auch bei den S-Bahnen. Grund war nach Angaben eines Bahn-Sprechers, dass in Berlin und Brandenburg mehr Lokführer zur Arbeit erschienen als angenommen. So konnte die S-Bahn zeitweise 35 statt der geplanten 30 Prozent des normalen Zugverkehrs anbieten. Ob das nach einem Schichtwechsel so bleibt, ist nach Bahnangaben aber von der Streikbereitschaft in der nächsten Schicht abhängig.

In Berlin bietet die S-Bahn auf den meisten Linien einen 20-Minuten-Takt. Die Ringbahn wird allerdings gar nicht bedient. Auch auf den Linien S75, S8 und S85 fahren keine Züge. Viele Fahrgäste mussten deshalb auf die U-Bahn ausweichen. Entsprechend voll waren die Gleise und Züge. Wer am Morgen etwa am Alexanderplatz in die U2 steigen wollte, musste meistens erst eine oder zwei überfüllte Bahnen vorbeifahren lassen.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) werden nicht bestreikt. Sie bemühten sich, die Folgen des Lokführerstreiks bei der Bahn zu mildern. Das landeseigene Unternehmen lässt zum Teil längere Trams fahren und schickt mehr Busse als sonst auf die Straßen. „Alles, was fahren kann, fährt“, heißt es in der Leitstelle der BVG.

Auch in Brandenburg mussten Zehntausende Pendler und Bahnreisende auf Busse und Privat-Pkw umsteigen und längere Fahrzeiten einkalkulieren. Betroffen waren auf Teilstrecken vor allem die Bahnlinien RE3, RB22 und RB23. Ausfälle und Verspätungen gibt es aber im gesamten Netz. Der RE1 nach Brandenburg an der Havel etwa musste am Morgen besonders lange am Bahnhof Friedrichstraße stehen, um die vielen dort Gestrandeten aufzunehmen, die zum Berliner Hauptbahnhof wollten. Auch auf den Autobahnen und Ausfallstraßen stadtauswärts staute sich der Verkehr.

Bahn-Konkurrenten wie die Ostdeutsche und die Niederbarnimer Eisenbahn werden nicht bestreikt. Bei ihnen sind aber Verspätungen wegen blockierter Strecken möglich.

Bei den Fernbahnen soll die ICE-Linie 28 nicht stündlich, sondern teilweise nur alle zwei Stunden Berlin und Hamburg verbinden. Der ICE 76 von Berlin über Hamburg nach Kopenhagen fährt in Deutschland nicht. Die IC-Linien 95 und 99 nach Warschau bzw. Krakau fallen ebenfalls in Deutschland aus.

Am Hauptbahnhof in Berlin gibt es zwei zusätzliche Informationsstände mit je zwei Bahn-Mitarbeitern. Der Andrang hielt sich am Morgen allerdings in Grenzen. Kaum jemand schien vom Streik überrascht worden zu sein. Es waren vor allem ausländische Touristen, die Rat suchten. Die Mitarbeiter erklärten ihnen auf Englisch sowie mit Händen und Füßen, wie sie ans Ziel kommen.

Der seit September 2014 mittlerweile siebte Streik der GDL im laufenden Tarifkonflikt hatte am Dienstagnachmittag im Güterverkehr begonnen. Die GDL verlangt unter anderem fünf Prozent mehr Geld und eine Stunde weniger Arbeitszeit pro Woche, sowie eine Begrenzung der Überstunden. Am vergangenen Freitag hatte die Gewerkschaft die Verhandlungen ein weiteres Mal für gescheitert erklärt.