Der 71-jährige hessische Bundestagsabgeordnete der Linkspartei hat es ungebrochen seit 1961. Da trat er in Westdeutschland in die KPD ein und wurde 1968 Gründungsmitglied der DKP, eine besonders loyale Gefolgstruppe der DDR-Einheitspartei SED. Er blieb ihr bis zum Vereinigungsjahr 1990 treu. Jetzt ist er Parteivorstandsmitglied der Linken und für sie der wichtigste Außenpolitiker.

Immer sieht er zwei Kräfte am Wirken: Die amerikanischen Imperialisten mit ihrer Nato und nationale Faschisten. Entsprechend bewertete er am Montag den Ausgang der Wahl in der Ukraine: Das Ergebnis sei "nationalistisch und antirussisch", die Revolution des Maidan sei in einem "Sumpf" gelandet. Das ist angesichts der Tatsache, dass gemäßigte pro-europäische Kräfte gewannen und radikale Nationalisten regelrecht abgestraft wurden, ein erstaunliches Urteil. Die "Faschisten" hätten zwar niedrige Ergebnisse erzielt, räumte Gehrcke ein, doch hätten sie weiter großen Einfluss auf den Weg des Landes. "Demokratische und linke Parteien" hätten hingegen keine Chance. Gemeint waren die Kommunisten.

Gehrckes Bundestagskollegen schütteln nur noch den Kopf. Marieluise Beck von den Grünen sagte: "Der verehrte Herr Gehr cke wird erst ein positives Urteil über die Ukraine finden, wenn dort die kommunistische Partei die Macht errungen hat." Und der SPD-Außenpolitiker Niels Annen fand, aus Gehrckes scharfer Tonlage spreche die Sorge, "dass die eigene Argumentation den Fakten immer weniger standhält".

Seit Beginn des Ukraine Konfliktes fährt Gehrcke in seinen Reden im Bundestag eine klare Linie: Niemals gibt er Moskau Schuld an der Entwicklung, immer nur Kiew und der EU. Natürlich war er gegen die EU-Sanktionen, kein Wort über die militärische Einmischung Russlands. Die Tatsache, dass die andere führende Außenpolitikerin der Linken, Sevim Dagdelen, es ähnlich sieht, macht die Sache nicht besser.

Die Linkspartei ist außenpolitisch derzeit auch durch diese beiden völlig isoliert. Von Dagdelen distanzierte sich kürzlich sogar der eigene Parteivorstand, als sie die Fraktionschefin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, indirekt als "Verbrecherin" bezeichnete, weil die nicht fand, dass in Kiew Faschisten regieren.

Auch Gehrcke könnte es nun übertrieben haben. Jedenfalls wertete die russische Führung selbst das Ergebnis am Montag deutlich positiver als er und erklärte, Kiew könne sich nun "ernsthaft um die Lösung der Kernprobleme der Gesellschaft kümmern". Die Zeit, da Moskau von einer illegitimen Regierung in der Ukraine sprach, scheint vorbei zu sein. Nun muss nur noch Gehrcke seine Uhr ebenfalls umstellen.