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Störungen nach Anschlägen auf Bahnstrecken weitgehend behoben

Eine Anzeigetafel informiert im Hauptbahnhof über Zugausfälle. Foto: Mila Krull
Eine Anzeigetafel informiert im Hauptbahnhof über Zugausfälle. Foto: Mila Krull
Berlin. Nach den Brandanschlägen auf Bahnanlagen in mehreren deutschen Städten läuft der Gleisverkehr an den meisten Orten inzwischen wieder weitgehend reibungslos. In Berlin und Dresden kommt es aber immer noch zu Störungen. dpa/bob

Knapp drei Wochen vor dem G20-Gipfel in Hamburg haben Unbekannte in mehreren Bundesländern Feuer in Bahnanlagen gelegt. Der für politisch motivierte Taten zuständige Staatsschutz der Polizei in den Ländern nahm die Ermittlungen auf. Ein mögliches Bekennerschreiben aus der linksextremistischen Szene wurde geprüft.

Die Bahn meldete in der Nacht zum Dienstag, dass die Probleme weitgehedn behoben sind. "Techniker haben bis in die Nacht hinein mit Erfolg daran gearbeitet, die Beschädigungen durch Kabelbrände zu beheben. So kommt es nur noch an wenigen Stellen zu Einschränkungen", heißt es in einer Pressemitteilung.

In Berlin kommt es auf den S-Bahn-Linien S8, S85 und S9 weiter zu Einschränkungen. Ein Schienenersatzverkehr zwischen Treptower Park und Schöneweide wird eingerichtet. Zwischen Köln-Mülheim und Opladen werden Fernverkehrszüge der DB weiterhin über eine Güterzugstrecke umgeleitet. Dadurch entstehen aber nur geringe Verzögerungen. Im Raum Leipzig und Dresden sowie in Sachsen-Anhalt sei ebenfalls nur noch mit kleineren Verzögerungen zu rechnen.

Sachsens Innnenminister Markus Ulbig (CDU) ging von einer politischen Motivation der Täter aus und sagte in Richtung von radikalen G20-Gegnern: "Das hat nichts mehr mit Globalisierungs- und Gesellschaftskritik zu tun, das ist einfach nur hoch kriminell und erfordert eine harte Bestrafung."

In der Nacht zum Montag wurden laut Bundesinnenministerium 13 Anschläge verübt. Zudem seien zwei Brandsätze vor einer Zündung sichergestellt worden, teilte die Bundespolizei mit. Ziel waren vor allem Kabel an Bahnstrecken. Menschen wurden nicht verletzt. Züge fielen aus, Reisende mussten mit Verspätungen zurechtkommen.

Die Brandsätze seien bundesweit zwischen 1.00 Uhr und 4.30 Uhr gelegt worden. Laut dem Bekennerschreiben "Shutdown G20 - Hamburg vom Netz nehmen!" hatten die Täter "mehrere Hauptstrecken der Bahn" im Visier. Die Polizei ließ in der Nacht in Leipzig einen Hubschrauber aufsteigen, um nach möglichen weiteren Brandorten zu suchen.

Die Bundespolizei, die für die Sicherheit von Bahnanlagen zuständig ist, hatte die Zahl der Anschläge zunächst mit zwölf angegeben - weil ein Feuer in einem Kabelschacht auf dem Gelände des Bremer Güterverkehrszentrums neben den Gleisen in der Nähe zum Hafen in die Zuständigkeit der örtlichen Polizei falle. In Bremen sagte eine Sprecherin der Behörde, ein Zusammenhang zu den anderen Vorfällen werde geprüft.

Auf der Internetplattform "linksunten.indymedia.org" tauchte ein mögliches Bekennerschreiben auf. Bei der Polizei hieß es, das Schreiben sei bekannt und werde geprüft.

Vor dem G20-Gipfel hatten Linksextremisten wiederholt Aktionen und Anschläge angekündigt. Am 7. und 8. Juli treffen sich Staats- und Regierungschefs aus den führenden Industrie- und Schwellenländern sowie Vertreter der EU. Mit dabei: US-Präsident Donald Trump und Russlands Staatschef Wladimir Putin. Nach Einschätzung des Operativen Abwehrzentrums (OAZ) der sächsischen Polizei haben die Vorfälle möglicherweise einen Bezug zum G20-Gipfel.

Aus Sicherheitskreisen hieß es, das mutmaßliche Bekennerschreiben passe ins "Raster". Es sei aber noch unklar, ob es authentisch sei. Indymedia versteht sich als offene Plattform zur freien Verbreitung von Informationen. In der Vergangenheit waren dort im Zusammenhang mit Bekennerschreiben zu Straftaten auch Fälschungen aufgetaucht.