Die Asche habe sich so weit "verflüchtigt", dass im deutschen Luftraum wieder normaler Flugbetrieb aufgenommen werden könne, hatte Peter Ramsauer (CSU) seine Regierungserklärung mit der "guten Nachricht" begonnen. Das war Union und FDP der Beifall wert. Und noch etwas Ungewöhnliches erlebte man im Bundestag: Für sein Krisenmanagement erhielt der in die Kritik geratene Verkehrsminister auch Rückendeckung aus dem Lager der Opposition - und zwar von den Grünen. Nicht alle seine Vorgänger seien so kooperativ gewesen, lobte der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Winfried Hermann (Grüne). Ramsauer habe der Sicherheit im Flugverkehr Priorität eingeräumt, auch gegen den Druck der Fluggesellschaften und ihrer ökonomischen Interessen: "Hier ist er gestanden", befand Hermann. Ganz anders der Eindruck der SPD: In Sachen Krisenmanagement habe Ramsauer lediglich den "starken Max" markiert, meinte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Florian Pronold. Gerade die Zulassung von Sichtflügen sei wegen der unklaren Gefährdung durch unterschiedliche Aschekonzentrationen unverantwortlich gewesen. Auch Hermann kritisierte dies: Es seien zu viele Ausnahmegenehmigungen erteilt worden, "das war eine riskante Sache". Laut Pronold habe es der Minister zudem versäumt, mit den Ländern das Thema Aufhebung von Nachtflugverboten zu besprechen. SPD-Verkehrsexperte Uwe Beckmeyer bemängelte überdies, dass es bei der Krisenbewältigung keine "klaren Kommandostrukturen" gegeben habe. Redner der Koalition bescheinigten Ramsauer indes, richtig gehandelt und nichts versäumt zu haben. Eines wurde im Bundestag gestern deutlich: Die Politik stochert nach wie vor kräftig im Nebel, wie künftig mit einem solchen Ereignis umgegangen werden muss. Es fehlten Daten und Erkenntnisse, aber auch klarere, internationale Regeln, betonten fast alle Redner. Ramsauer sprach von einem "historisch einmaligen Phänomen", alle Beteiligten hätten "Neuland" betreten. Bei allen Entscheidungen habe jedoch gegolten: "Die Sicherheit steht an allererster Stelle." Sofort nach Bekanntwerden der heranziehenden Aschewolke sei der Krisenstab bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) zusammengerufen worden. "Das war und bleibt die richtige Entscheidung." Nach dem Ende des Flugverbots müssen laut Ramsauer die Fluggesellschaften jetzt spezielle Vorsichtsmaßnahmen treffen: So werde beim Luftfahrtbundesamt ein Meldezentrum für alle Vorfälle eingerichtet, die mit Vulkanasche zusammenhängen könnten. Darüber hinaus müssten die Auswirkungen der Asche auf die Flugzeugtriebwerke nachgeprüft werden, weshalb er eine Meldepflicht für solche Vorkommnisse erlassen habe. Außerdem würden die Inspektions- und Wartungsintervalle aller Flugzeuge verkürzt.