Aber Kurth und die Vertreter der anderen Institute und Firmen, die Platzeck gestern im Großaufgebot mit Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns und Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (beide CDU) besucht, sind wirklich dankbar für die so demonstrierte "politische Rückendeckung".
Schließlich hat, dies ist oft zu hören, ihre junge Branche noch mit vielen Vorbehalten zu kämpfen. Es geht um Biotechnologie - ein heikles Terrain. Platzeck, der frühere grüne Umweltminister, der jetzt die Werbetrommeln für Gentechnik rührt?

PR für Spitzenfirmen
So ungefähr. Es ist eine der Pressefahrten durch das "moderne Brandenburg", die er seit einiger Zeit veranstalten lässt, um märkische Spitzenfirmen ins Rampenlicht zu rücken. Es sind auch, daraus macht man in der Staatskanzlei gar keinen Hehl, PR-Touren aus Sorge um das Image des Landes, das zu oft durch Pleiten a la CargoLifter, durch die Zitterpartie um die Chipfabrik oder Hiobsbotschaften von drohender Verelendung von sich reden mache.
Stippvisite im Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie auf dem Campus Potsdam-Golm, wo in rötliches Licht getauchte Gewächshäuser ein surreales Bild bieten. Die Wissenschaftler versuchen hier zu entschlüsseln, welches der 26 000 pflanzlichen Gene für welche Eigenschaften zuständig ist. Ihre Stoßrichtung: die Erbstruktur so zu verändern, oder mit dem neuen Wissen die herkömmliche Pflanzenzucht zu qualifizieren, dass leistungsfähigere Pflanzen entstehen. "In der Bevölkerung Europas gibt es da noch eine Debatte um die Akzeptanz", räumt Geschäftsführer Mark Stitt ein. "In anderen Teilen der Welt ist das längst durch." In Deutschland gab es im Vorjahr elf Anträge auf Freilandversuche, nur zwei wurden genehmigt.

Realität Biotechnologie
In Platzeck hat Stitt einen aufgeschlossenen Zuhörer, auch wenn der Regierungschef eine gewisse Skepsis nicht verhehlt. "Es muss nicht alles erlaubt sein, was möglich ist." Doch er plädiert klar, sich den Realitäten stellen, zumal die Ernährung der Weltbevölkerung eine große Herausforderung sei. "Ich bin für eine gründliche Diskussion." Denn es gehe um eine der wenigen Wachstumsbranchen, auch für das gebeutelte Brandenburg. Allein zehn Firmen sind in den letzten Jahren aus den diversen Golmer Forschungsinstituten gegründet worden, mit 195 Beschäftigten.
Die Firma Analyticon (heute 60 Mitarbeiter) mit Sitz in Potsdam-Hermannswerder ist eine davon. Sie zerlegt, wie Geschäftsführer Müller-Kurth erklärt, Pflanzen mit dem weltweit schnellsten Analyseverfahren in ihre diversen, bislang oft unbekannten Reinstsubstanzen - kostbare Informationen für die Pharmaindustrie. Die Botschaft Platzecks: "Berlin und Brandenburg sind die führende deutsche Biotechnologie-Region." Und soll es bleiben.