Bei seiner ersten Wahl im November 2004 bekam er 88 Prozent. Diesmal sollte es für Jurk nicht viel weniger werden, wenn ihm die 140 Delegierten ein gutes Zeugnis ausstellen wollen. Ferner will die SPD eine Ur-Wahl des Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2009 durch die Parteibasis möglich machen.

Neue Gesichter an die Spitze
Jurk sagte, die SPD sei für die Kommunalwahl 2008 und die Landtagswahl 2009 personell schon gut aufgestellt. "Aber wir wollen uns noch weiter verjüngen", fügte er hinzu. Zudem werde der Parteitag zeigen, dass die SPD in der Regierungsverantwortung im Freistaat als Partei deutlich gewachsen sei.
Zugleich will sich die SPD-Führungsriege ein neues Gesicht geben: Als Vize kandidiert die Leipziger Landrätin Petra Köpping, die für die Lausitzerin Barbara Wittig nachrücken soll. Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange hatte sich dagegen noch nicht für ein hohes Parteiamt erweichen lassen.
Als zweiter Vize tritt abermals der Berliner Gesundheits-Staatssekretär Rolf Schwanitz an. Wieder eingeführt wird in der SPD nach sieben Jahren Pause ein Generalsekretär. Für den Posten ist der bisherige Vorstandssprecher Andreas Weigel vorgesehen. Weigel, der zugleich Bundestagsabgeordneter ist, rechnet trotz eines gegen ihn laufenden Strafverfahrens wegen Betrugs mit einer unproblematischen Wahl. "Ich habe meine Unschuld immer beteuert und gehe nicht davon aus, dass das Verfahren eine Rolle spielt", sagte er.
Weigel muss sich am Mittwoch nächster Woche wegen Betrugs vor dem Amtsgericht Zwickau verantworten, wie ein Justizsprecher sagte. Er soll als ehemaliger Geschäftsführer der Johanniter-Unfallhilfe im September 2002 für eine Mitarbeiterin bei der Bundesanstalt für Arbeit unberechtigte Lohnkostenzuschüsse beantragt haben. Dabei entstand ein Schaden von knapp 10 000 Euro. Gegenkandidaten gibt es bei den Spitzenpositionen nicht - anders als bei den 17 Beisitzerposten, für die 22 Kandidaten aufgestellt sind, darunter allein fünf Jusos. Die SPD-Jugendorganisation drängt mittlerweile massiv in den Vorstand.

Watschen für Weißgerber
Heftige Watschen gab es gestern für den früheren Leipziger SPD-Chef Gunter Weißgerber, der kürzlich Cornelius Weiss zum Verzicht auf den Fraktionsvorsitz aufgefordert hatte. Sein Brandbrief sei "nicht der Stil, der in einer demokratischen Partei üblich ist", sagte Jurk. Weißgerber pflege offenbar keine offene Diskussionskultur und sei "zunehmend isoliert", so Weigel. Weißgerber hatte Weiss wegen dessen Alter von 73 Jahren aufgefordert, einem Jüngeren Platz zu machen.
Inhaltlich wollen die Genossen über den Leitantrag "Soziale Gerechtigkeit durch Lebenschancen - sachsengerecht" und 50 weitere Anträge debattieren. Für Furore sorgt dabei der Abgeordnete Karl Nolle mit einem Antrag zum längeren Bezug des Arbeitslosengeldes I.
SPD-Bundesprominenz wird die Debatte durchaus verfolgen: Als Gäste kommen Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee und der Bundesgeschäftsführer Martin Gorholt.