Als die Handwerkskammer Cottbus zu Monatsbeginn ihre Herbst-Konjunkturumfrage vorstellte, präsentierte sie denselben Zufriedenheitswert mit der Geschäftslage wie am Dienstag die IHK Cottbus und Dresden für die gesamte Lausitz. Die 92 Prozent verbreiten Optimismus. Wenngleich der Dresdner IHK-Hauptgeschäftsführer Detlef Hamann mit Blick auf die inzwischen vierte gemeinsame Konjunkturumfrage betonte, "dass die Stimmungskanonen in der brandenburgischen Lausitz zu finden sind". Dort hätten in der repräsentativen Umfrage deutlich weniger Unternehmen ihre Lage mit schlecht bezeichnet (6,7 Prozent) als im sächsischen Teil (9,6).

An der Umfrage beteiligten sich rund 600 Unternehmen aus Industrie, Bauwirtschaft, Groß- und Einzelhandel, Verkehr und dem Dienstleistungsgewerbe aus den Landkreisen Bautzen, Görlitz, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße und der Stadt Cottbus. Die Rücklaufquote von 21 Prozent wird von den Experten als gut bezeichnet. Für Hamann ist augenfällig in der Analyse, dass "Monolithe" wie Nahrungs- und Futtermittel in Sachsen (1,9 Milliarden Umsatz) und die chemischen Erzeugnisse im Brandenburger Teil (BASF/mehr als 650 Millionen) die positive Lage tragen.

Die nach unten korrigierten Prognosen der Unternehmen belegen zugleich, dass die konjunkturelle Entwicklung an Schwung verliert. Bei der aktuellen Umfrage rechnen zwölf Prozent der Befragten in den kommenden Monaten mit günstigeren, aber 67 Prozent mit gleichbleibenden und 21 Prozent mit ungünstigeren Geschäften. Zu Jahresbeginn 2014 gingen noch 18 Prozent von günstigeren, 70 Prozent von gleichbleibenden und nur zwölf Prozent von ungünstigeren Erwartungen aus. Damit hat sich der Saldo aus günstigen und ungünstigen Erwartungen von plus vier im Frühjahr 2014 auf minus neun Prozentpunkte im Herbst 2014 verschlechtert. "Die Stimmung ist besser, als es die wirtschaftliche Entwicklung widerspiegelt", erläutert Hamann, dass der Blick in die Zukunft zuletzt im Herbst 2012 auf einem pessimistischeren Niveau gelegen habe.

Für den Vize-Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus Jens Krause liegt auf der Hand, dass Beschlüsse des Bundes zu Mindestlohn, Elternzeit, Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit oder Rente mit 63 sowie die Reduzierung der Zeitarbeit erst einmal von den Unternehmen verkraftet werden müssen. Hamann geht für Sachsen auch von Arbeitsplatzabbau aus, was die Umfrage immerhin bei 16 Prozent der Unternehmen nicht ausschließt.

Die Risiken der wirtschaftlichen Entwicklung schlagen sich aus Sicht der Unternehmen auch in der erstmals erhobenen Standortzufriedenheitsanalyse nieder. So schnellen die wirtschafts-politischen Rahmenbedingungen als Unsicherheitsfaktor um sieben Prozent nach oben, gefolgt von den Arbeitskosten (plus sechs) und dem Fachkräftemangel (plus drei).

In den parallel im Herbst 2013/Frühjahr 2014 von 1000 Betrieben abgefragten Stärken und Schwächen der Wirtschaftsregion Lausitz rangieren die mangelnde Ausbildungsreife von Schulabgängern und die ungenügende Verfügbarkeit von Facharbeitern sowie hohe Energiepreise mit im Vorderfeld. Noch größerer Handlungsbedarf besteht aus Unternehmersicht allerdings bei der Breitbandanbindung, dem Image der Region und der allgemeinen Sicherheit. Für Jens Krause sind die Forderungen nach schnellem Internet und der Kampf gegen die hohe Grenzkriminalität Dauerbrenner, "die von der Politik energischer angegangen werden müssen".

Die höchste Zufriedenheit unter den 19 befragten Standortfaktoren erkennen die Unternehmen in der Verfügbarkeit von Wohnraum, den Kinderbetreuungsangeboten und den Einkaufsmöglichkeiten.

Der Sachse Detlef Hamann zeigt sich schließlich verwundert von der schlechten Imagebewertung von Senftenberg. "Das muss für die Kommunalpolitik Anlass dafür sein, nachzuhaken", sagt Hamann, der von einer Görlitzer Initiative berichtet. Der dortige Oberbürgermeister habe mit Unternehmern über das von ihnen beklagte Image der Stadt beraten und sie überzeugt, mit städtischen Imageplakaten auf ihren Fahrzeugen für Görlitz zu werben.

Konjunktur- und Imageumfrage

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