Den Gewerkschaften gelang die stärkste Mobilisierung gegen ein Gesetzesvorhaben seit einem Rentenreformplan von 1995, der an dem Widerstand schließlich gescheitert war. Die meisten Züge, U-Bahnen und Busse fuhren an diesem "Schwarzen Dienstag" nicht, 80 Prozent der Flugverbindungen wurden abgesagt.
An den Kundgebungen in allen großen Städten des Landes nahmen Hunderttausende teil. Sie forderten vom rechts-liberalen Premierminister Jean-Pierre Raffarin die Zurücknahme des Reformvorhabens. Wegen der Beteiligung französischer Fluglotsen an dem Streik wurden auch Flugverbindungen in andere europäische Länder beeinträchtigt. Busse und U-Bahnen verkehrten in rund 80 französischen Städten nicht. Bestreikt wurden auch die meisten Schulen.

Kraftprobe mit der Regierung
Millionen Menschen konnten nicht zur Arbeit kommen, weil es keine Verkehrsverbindungen gab oder weil sie sich wegen der Schließung der Schulen um ihre Kinder kümmern mussten. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligten sich an der Demonstration in Paris 250 000 Menschen, in Marseille waren es 200 000.
Die französischen Gewerkschaften suchten die Kraftprobe mit der rechts-bürgerlichen Regierung. Sie wollten die massive Mobilisierung, die 1995 zur Annullierung der geplanten Rentenreform geführt hatte, noch überbieten. Auch eine Fortsetzung des Streiks in den kommenden Wochen wurde in Erwägung gezogen. An den Arbeitsniederlegungen des "Schwarzen Dienstags" beteiligten sich auch die Belegschaften der staatlichen Post, des staatlichen Stromversorgers EdF und der mehrheitlich staatlichen Telekom-Gesellschaft France Télécom sowie die Arbeitnehmer diverser Großbetriebe. Die Pariser Zeitungen erschienen nicht, Regionalzeitungen nur teilweise.
Mit der von Raffarin und seinem Sozialminister François Fillon geplanten Rentenreform soll das Renteneintrittsalter um bis zu viereinhalb Jahre heraufgesetzt werden. Besonders heftig ist der Widerstand bei den fünf Millionen Beamten.

Beitragszeiten sollen steigen
Raffarins Reform verfolgt das Ziel, die Beitragszeiten vor dem Renteneintrittsalter im öffentlichen Dienst ab 2008 von 37,5 auf 40 Jahre hinaufzusetzen. Der Premier sieht darin einen Beitrag zu größerer Gerechtigkeit, denn auch in der Privatwirtschaft gilt die 40-Jahres-Marke. Aber die Beamten müssten dann damit rechnen, dass die Lebensarbeitszeit bis 2020 weiter auf 42 Jahre klettert, also in nur zwei Jahrzehnten um viereinhalb Jahre verlängert wird. (AFP/roe)