Der schwedische Energiekonzern Vattenfall gibt keine Auskunft über die Zahl von Interessenten für den Kauf seiner Braunkohlesparte. Am Dienstagmittag endete die Frist, sich nach einer international veröffentlichten Aufforderung zur Interessenbekundung zu melden. "Es ist aus guten Gründen üblich, Informationen über Interessenten streng vertraulich zu behandeln", sagt Vattenfall-Sprecher Stefan Müller.

Jetzt werde geprüft, ob das Interesse der Bewerber ernsthaft sei und sie bestimmte Voraussetzungen erfüllten, zum Beispiel eine nachhaltige Finanzierung nachweisen. Dann könnten konkrete Verhandlungen aufgenommen werden. Nach Angaben des Konzerns werden sich die Verkaufsgespräche bis in das kommende Jahr hinziehen.

Veräußert werden sollen alle Lausitzer Braunkohle-Tagebaue und Kraftwerke sowie ein Kraftwerksblock in Lippendorf bei Leipzig. Zum Angebotspaket gehören auch die zehn Wasserkraftwerke des Konzerns in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Ohne die Braunkohle stehen sie aber nicht zum Verkauf.

Als potenzielle Kaufinteressenten sind bisher zwei tschechische Energiekonzerne öffentlich bekannt geworden. Beide verfügen über Erfahrungen in der Braunkohlebranche. Einer davon ist EPH, eine Holding, der bereits der Braunkohleförderer Mibrag mit Sitz in Sachsen-Anhalt gehört. EPH-Sprecher Daniel Castvaj erklärte, dass das Unternehmen sich für das Verkaufsverfahren angemeldet habe.

Für die Lausitz hängt viel von dem Eigentümerwechsel ab. Vattenfall beschäftigt in der Region rund 8000 Menschen direkt in Tagebauen und Kraftwerken. Tausende weitere Jobs hängen von den Vattenfall-Aufträgen in der Braunkohle ab. Durch die Verkaufspläne schweben rund 1700 Lausitzer, die für den Erweiterungstagebau Nochten II umsiedeln sollen, seit Monaten im Ungewissen. Ob es zum Aufschluss dieser Grube und auch des Erweiterungstagebaus Welzow-Süd II kommt, soll der neue Eigentümer entscheiden.

Der schwedische Staatskonzern Vattenfall hat sich vor einem Jahr zum Verkauf entschlossen, um sein Umweltimage aufzubessern. Braunkohlekraftwerke gelten wegen ihres hohen Ausstoßes an klimaschädlichem Kohlendioxid als besonders problematisch.

Der Ausbau der erneuerbaren Energie in Deutschland hat die wirtschaftliche Situation der Braunkohleverstromung in den vergangenen Jahren verschlechtert. Braunkohlestrom macht trotzdem noch immer einen großen Teil der Elektroenergie in Deutschland aus und gilt als besonders zuverlässig in der Erzeugung.

Am Dienstag wurde bekannt, dass auch der schwedische Ableger der Umweltorganisation Greenpeace beim Verkauf mitmischen will und ein Kaufinteresse bekundet habe. Man wolle damit sicherstellen, dass die Braunkohle im Boden bleibe, heißt es in einer am Dienstag in Stockholm verbreiteten Mitteilung von Greenpeace Schweden. Damit übernehme Greenpeace konkrete Verantwortung für das Klima.

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Vattenfall Europe Mining, Rüdiger Siebers, bezeichnete das Interesse der Umweltorganisation als einen reinen "PR-Gag". "Das nehmen wir nicht ernst", sagte er.