Peer Steinbrück wollte als Finanzminister einst die Kavallerie losschicken, um an Informationen über deutsche Steuerflüchtlinge in der Schweiz zu kommen. Zwischenzeitlich behalfen sich die Behörden mit dem Erwerb heimlich kopierter Steuer-CDs, die ihnen Bankinsider für teuer Geld verkauften.

Ein Abkommen zwischen der Bundesrepublik und der Eidgenossenschaft scheiterte, weil Betrüger straffrei ausgegangen wären, was Steinbrücks SPD zu wenig war. Immerhin führte allein die vorübergehende Aussicht darauf zur Selbstanzeige von Ex-Bayern-Boss Uli Hoeneß.

All das gehört bald der Vergangenheit an. In Brüssel haben Vertreter der EU und der Schweiz ihre Unterschriften unter ein Abkommen gesetzt, mit dem Informationen nicht mehr über Umwege, sondern über die offiziellen Kanäle fließen (die RUNDSCHAU berichtete). Wenn alle Instanzen es absegnen - womit noch vor dem Sommer gerechnet wird -, ist das Schweizer Bankgeheimnis mit dem Jahr 2018 de facto abgeschafft.

Einmal im Jahr erhalten die EU-Staaten dann unaufgefordert Namen, Adressen, Steuernummern und Geburtsdaten ihrer Bürger mit Schweizer Konto - und eine Reihe weiterer Kontodaten. "Damit können EU-Bürger nicht mehr länger undeklarierte Einkommen auf Schweizer Konten vor dem Finanzamt verstecken", teilte die EU-Kommission mit.

Der zuständige Kommissar Pierre Moscovici sprach von "totaler Steuertransparenz" durch die Einführung des neuen globalen Standards, den anzuerkennen die Berner Regierung 2013 angekündigt hatte. Ihr Finanzstaatssekretär Jacques de Watteville nannte das Abkommen einen "großen Schritt" - auch wenn er im Gegenzug keinen besseren EU-Marktzugang für Schweizer Finanzdienstleister bekam. "Die Gespräche wurden durch die Abstimmung vom 9. Februar 2014 über die Masseneinwanderung erschwert", räumte Bern ein.

Die EU weigert sich, über eine eingeschränkte Freizügigkeit zu verhandeln - die Vergangenheit wirkt nach. Die Steuersünden der Vergangenheit arbeitet auch das Abkommen nicht auf. Das bleibt den Mitgliedstaaten überlassen. Griechenland zum Beispiel, das dringend Geld von seinen Steuerflüchtlingen eintreiben muss. Man sei darüber mit der Athener Regierung im Gespräch, berichtet de Watteville.