Dresden scheint eine gespaltene Stadt zu sein. Fast 20 000 Menschen sind am Montagabend auf die Straße gegangen - für und gegen Flüchtlingszuzug. Das Bündnis Pegida fordert weniger Zuzug von Ausländern. Die Gegendemonstranten verteidigen ihre Stadt, sie treten für Toleranz und Weltoffenheit ein.

Mehr als 9000 Menschen waren es, die sich der wöchentlichen Kundgebung des sogenannten "Pegida"-Bündnisses entgegen gestellt. Unter dem Motto "Dresden für alle" zogen sie aus sechs Richtungen zum Rathaus, um ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus zu setzen. Doch auch das Bündnis der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) hielt seine achte Montagskundgebung in Folge ab. Das Bündnis will unter anderem eine Verschärfung des Asylrechts. 10 000 Menschen, so viele wie noch nie, schlossen sich nach Polizeiangaben der Bündnis-Kundgebung an.

Organisator des Sternlaufs der Gegendemonstranten war ein breites Bündnis - daran beteiligt unter anderem die christlichen Kirchen, das Islamische Zentrum, die Jüdische Gemeinde, der Ausländerrat, das Bündnis "Dresden Nazifrei", die Studierendenschaften und die Technische Universität. Für die Jüdische Gemeinde beschrieb deren Vorsitzende Nora Goldenbogen, wie wichtig es sei, Menschen in Not zu helfen. "Wir Juden wissen das." An der Demonstration nahmen auch mehrere Landesminister teil.

Rechtsextremismus-Experten beobachten die Entwicklung der Pegida-Demonstrationen mit Sorge und fürchten, dass sich etwas zusammenbraut im Land. Die Pegida-Anhänger wenden sich gegen die Aufnahme von "Wirtschaftsflüchtlingen", gegen islamische Terroranhänger und vermeintliche Glaubenskriege auf deutschem Boden. Manches Ziel mutet eher schräg an. Auch der Erhalt von Weihnachtsmärkten treibt die Pegida-Leute um. Dass diese mancherorts schon "Wintermärkte" hießen, nur um nicht die Gefühle von Nicht-Christen zu verletzen - das geht aus ihrer Sicht gar nicht.

Zum Sinn der Demos sagte Pegida-Wortführer Lutz Bachmann kürzlich, schließlich traue sich sonst niemand, offen über diese Dinge zu reden. Immer werde gleich die "Nazi-Keule" geschwungen. Dabei wollten er und seine Mitstreiter nichts mit Radikalen zu tun haben. Ein harmloser Bürgerprotest also?

Nein, meint der Berliner Rechtsextremismus-Forscher Hajo Funke. Die Pegida werfe "Kampfvokabel" in die Menge, nutze Ängste in der Bevölkerung und lade sie zu Ressentiments ein. Die Gruppe versuche, einen "Kampf der Kulturen" zu schüren. "Das ist das klassische Repertoire von Rechtspopulisten", sagt Funke.

Das Ganze zeige Ansätze einer rechtsextrem inspirierten Massenbewegung. "Das macht mir Sorgen."