In der Arbeitswelt ist der Stempel unentbehrlich, vor allem in Behörden und Büros. "Ein bedrucktes Blatt Papier wird erst durch den Stempelabdruck zum Dokument", sagt Torben Thorn, Geschäftsführer der Bundesinnung für das Flexografen-Handwerk. Dort sind die auf Stempel spezialisierten Fachleute organisiert. Sie bieten längst eine große Palette an Lösungen, um einen guten Abdruck zu hinterlassen. Neben klassischen Produkten fertigen sie selbstfärbende Taschenstempel für unterwegs oder Stifte mit integriertem Stempel. "Der Stempel ist Ausdruck von Individualität und Persönlichkeit", findet Thorn. Nach seinen Angaben stellen in Deutschland etwa 300 Betriebe Stempel her. Ein fachmännisch gestaltetes Produkt sei ein echter "Hingucker". Von Privatkunden kommen allerdings nicht einmal ein Prozent aller Aufträge, macht Reinhart Keßner deutlich. Stempel-Schmorrde in Löbau zählt zu den Marktführern der Branche. Die Firma mit 21 Mitarbeitern sei in Deutschland die Nummer 3, sagt Keßner. Die Position hat er sich hart erarbeitet. Nach der Wende ging er im Westen auf Kundensuche und gewann schrittweise neue Abnehmer. In etwa 1000 Annahmestellen werden heute bundesweit Aufträge für das ostsächsische Unternehmen entgegengenommen. In Fachgeschäften für Bürobedarf, bei Graveuren, Druckereien, Werbeagenturen sowie Schuh-und Schlüsseldiensten können Kunden Stempel aus Löbau bestellen. Wenn ein Auftrag bis zehnUhr eingeht, wird die Ware noch am gleichen Tag ausgeliefert, egal ob nach Flensburg oder München - das ist Firmenphilosophie. Holzstempel weiterhin in Das Unternehmen in der Oberlausitz bedient mehrere Großkunden wie Versicherungen, Banken und Handelsunternehmen, die immer wieder und in hoher Stückzahl neue Stempel brauchen. Etwa 20 dieser Abnehmer haben inzwischen sogar einen Online-Shop, über den sie für den Eigenbedarf direkt in Löbau bestellen können. Der gute alte Holzstempel macht nach wie vor etwa 60 Prozent der Produktion aus. Nur ganz langsam geht der Trend zum Automatikstempel, in den das Stempelkissen eingebaut ist. Im Internet aktiv 1998 stieg Stempel-Schmorrde ins Online-Geschäft ein - nach eigenen Angaben als eines der ersten Unternehmen der Branche. Mittlerweile gehen etwa ein Drittel der Bestellungen über das Internet in Löbau ein. In Spitzenzeiten lässt Keßner auch in der Stempel- und Schilderfabrik Albert Walther GmbH in Dresden fertigen. Die Firma mit heute elf Mitarbeitern übernahm er 2006. Er führt damit ein Traditionsunternehmen weiter, für das der vormalige Besitzer keinen Nachfolger fand. Eine wirtschaftliche Flaute hat Stempel-Schmorrde auch in Krisenzeiten eher nicht zu fürchten. "Strukturelle Veränderungen bedeuten meist viel Arbeit für uns", urteilt Keßner. Stempel seien eine überschaubare Investition. "Die Summe kann man in der Regel ausgeben, egal wie gut oder schlecht die Zeiten sind."