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| 02:44 Uhr

Steinzeit-Leiche soll Geheimnisse lüften

Restauratorin Andrea Schwan mit den steinzeitlichen menschlichen Überresten.
Restauratorin Andrea Schwan mit den steinzeitlichen menschlichen Überresten. FOTO: dpa
Wünsdorf. Ein mehr als 7000 Jahre altes Skelett eines in Brandenburg entdeckten Menschen könnte aus Sicht von Archäologen neue Erkenntnisse zum Leben in der Mittelsteinzeit liefern. "Das ist ein Glücksfall", sagte der Direktor des Landesamtes für Brandenburgische Denkmalpflege, Franz Schopper, in dieser Woche in Wünsdorf (Teltow-Fläming) zu dem Fund. dpa/jam

In einer kurzen Übergangsphase trafen Jäger und Sammler auf erste bereits sesshafte Menschen. Doch diese Begegnungen und das mögliche Nebeneinander zweier Kulturen sind laut Schopper bislang wenig erforscht.

Die Fachleute hoffen nun anhand des Skelett-Fundes auf neue Indizien für das Zusammentreffen beider Gruppen.

In einer bestimmten Zeitspanne haben offenbar auf dem Gebiet des heutigen Brandenburg einige Menschen bereits Häuser gebaut, Felder bestellt und Keramiken angefertigt. Die Menschen der Mittelsteinzeit waren da noch nicht so weit und lebten von der Jagd, wie der Direktor des Denkmalpflege-Amtes schildert.

Das Skelett war 2008 vor dem Bau der neuen Erdgasleitung Opal in Rathsdorf (Märkisch-Oderland) 85 Zentimeter unter der Erde entdeckt worden. Durch ein bei der Probegrabung entdecktes menschliches Schlüsselbein wurden die Forscher auf den Toten aufmerksam. Aus jener Epoche sind in Brandenburg nur knapp ein Dutzend Grabstätten bekannt, die aber kaum so gut erhalten sind.

Tierzähne und Pfeilspitze

Unklar sei, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handele und wie alt die Person zum Zeitpunkt des Todes war, sagte Mahi Ismael-Weber, die die Untersuchung beim Landesamt koordiniert. Ein etwa würfelzuckergroßes Stück Holz hatte zunächst die Altersbestimmung ermöglicht.

Der Tote habe auch Tierzähne bei sich, was auf einen Jäger deute. Andererseits sei eine sorgfältig bearbeitete Pfeilspitze gefunden worden - diese Fertigkeit hatten erste Sesshafte.

Weitere Untersuchungen wie eine DNA-Analyse zur Bestimmung des Geschlechts sollen folgen, wie Ismael-Weber berichtete.

Von Interesse sei vor allem, mehr über das Nebeneinander beider Gruppen zu erfahren. "Hatten sie untereinander Kontakt, gingen sie sich aus dem Weg oder bekämpften sie sich sogar", sagte sie.

Das von fest verdichtetem märkischen Sand umhüllte Skelett wird derzeit in zeitaufwendiger Kleinarbeit freigelegt. "Mit Holzspatel, Zahnstocher und Pinsel wird Stück für Stück abgehoben", sagte Restauratorin Andrea Schwan. Bislang sind Kopf und Beine bereits sichtbar.