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| 19:43 Uhr

Politik
Bundespräsident Steinmeier macht Cottbusern Mut

Visite beim Bundespräsidenten: Staatsoberhaupt Frank-Walter Steinmeier (Mitte) begrüßt die Delegation aus Cottbus.
Visite beim Bundespräsidenten: Staatsoberhaupt Frank-Walter Steinmeier (Mitte) begrüßt die Delegation aus Cottbus. FOTO: Emmanuele Contini / imago/Emmanuele Contini
Berlin. Staatsoberhaupt spricht im Schloss Bellevue mit Vertretern aus der Lausitz über die Integration von Ausländern. Aber es regt sich auch Kritik.

Es war ein gutes Gespräch, da sind sich alle Teilnehmer einig: Auf Einladung des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier waren am Dienstag zehn Vertreter aus Cottbus nach Berlin gereist, um über die Situation in Cottbus zu sprechen. „Wir konnten alles abladen, was uns derzeit bedrückt. Die Atmosphäre war konstruktiv und offen“, sagte Stadtsprecher Jan Gloßmann im Anschluss an die 90-minütige vertrauliche Unterredung.

„Der Bundespräsident hat uns als Stadt ermutigt, die Probleme konkret anzugehen.“ Schulen, Kitas und Sozialarbeit zu stützen sei der richtige Weg, um die Integration von Flüchtlingen zu fördern und Cottbusern ihre Ängste zu nehmen.

BTU-Präsident Jörg Steinbach zeigte sich erstaunt von der Intensität des Gesprächs. „Das war kein oberflächliches PR-Geplänkel. Der Bundespräsident war sehr gut informiert.“ Frank-Walter Steinmeier teilte nach dem Treffen mit, dass es bei dem „ernsthaften Gespräch“ auch um Zukunftsfragen für die Entwicklung der Region ging. Auch Fragen des Strukturwandels waren thematisiert worden. Jörg Steinbach: „Die Region muss sehen, dass konkret gehandelt wird. Es kann nicht sein, dass wir über ein zweites Gleis von Cottbus nach Berlin erst 2030 reden. Das ist viel zu spät.“

Nicht verstummt ist die Kritik an der Auswahl der Gesprächsteilnehmer. Ulrike Kremeier, Chefin des Brandenburgischen Landesmuseums für moderne Kunst in Cottbus und Frankfurt (Oder): „Es waren in erster Linie Vertreter des sogenannten Establish­ments. Wichtig wäre es gewesen, auch Menschen zu hören, die real mit den Problemen in der Stadt zu kämpfen haben.“ Ein Spieler von Energie Cottbus, eine Wutbürgerin oder eine Asylbewerberin und ein Normalbürger von der Antihass-Fraktion hätten die Diskussion bereichert und auf diese Weise die symbolische Funktion des Termins besser erfüllt.

Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) fordert vom Bund mehr finanzielle Hilfe bei der Integration von Flüchtlingen. „Das ist die große Herausforderung, vor der wir jetzt stehen: den Menschen Deutsch beizubringen und ihnen die Chance zu geben, zu lernen und zu arbeiten, aber auch jene zurückzuschicken, die nicht bleiben dürfen“, sagte Woidke der „Super-Illu“.