Frank-Walter Steinmeier, einst auch SPD-Vorsitzender und gescheiterter Kanzlerkandidat wagte gleich zu Beginn seiner Ausführungen eine Prognose. Am Ende dieses Jahres werde die SPD wieder mitregieren in Berlin. Da drängt sich ja fast zwangsläufig die Frage auf, was wohl aus ihm werden wird, bei solchen Aussichten. Steinmeier legt sich da natürlich noch nicht fest. Er erwähnt nur, dass Angela Merkel "unzweifelhaft" populär sei. Die war ja mal seine Chefin und er der Vizekanzler. Sollte es ein Wiedersehen einer solchen Konstellation geben, dann würden wir Steinmeier sicher viel öfter in Washington sehen. Aber was wird mit dem Mann, wenn die SPD doch mit einer rot-grünen Mehrheit den Kanzler stellen würde? Wozu war dann die immer wieder verschobene Reise in die amerikanische Hauptstadt gut? Und was würde dann aus all den nachdenklichen Gedanken zur Weltlage, zur Entwicklung der Supermacht USA? Dann bleibt der Mann womöglich Fraktionsvorsitzender.

Was der SPD-Mann zu den Beziehungen zwischen Deutschland und den USA gesagt hat, war sicher eine der besseren Analysen, die hier zu hören sind. Ganz im Gegensatz zu dem all zu oft von Deutschen vorgetragene Jammern zeigte er Verständnis dafür, dass die USA ihre Aufmerksamkeit zunehmend auch der Situation in Asien widmen. Das sei doch gut, so Steinmeier. Er kennt sich eben aus.

Die Aufmerksamkeit, die Frank-Walter Steinmeier von den Mitarbeitern der Botschaft in Washington gewidmet wurde, galt erkennbar nicht nur dem früheren sondern dem wahrscheinlich zukünftigem Chef. Und das hat dem Mann sichtlich gut getan. Aber zunächst muss er ja zuerst einmal einen Wahlkampf hinter sich bringen. Der führt dann nicht nach Harvard sondern beispielweise auf die Festwiesen im Brandenburgischen Jüterbog, das in dem Wahlkreis liegt, den er verteidigen will und wohl auch wird. Aber Jüterbog zu gewinnen, ist auch viel leichter als die ganze Bundesrepublik.

Das ist dann fast schon absurd. Wenn die SPD noch mal wie schon einmal mit ihm gegen Merkel verliert, bekommt Frank-Walter Steinmeier womöglich den Traumjob. Und wenn seine Partei doch noch gewinnt, muss er sehen, wo er bleibt.