Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat Israelis und Palästinenser zur Aufnahme neuer Friedensgespräche aufgerufen. Das Streben nach einer Zwei-Staaten-Lösung sei "die einzige Chance für dauerhaften Frieden und für dauerhafte Sicherheit in Israel", sagte Steinmeier am Sonntag nach einem Treffen mit seinem israelischen Amtskollegen Avigdor Lieberman. Anschließend traf er mit dem Staatspräsidenten Reuven Rivlin zusammen.

Steinmeier äußerte sich bei dem Treffen mit Lieberman besorgt über den jüngsten Konflikt um die Nutzung des Tempelbergs. "Wir haben eine erneute Zuspitzung der Situation hier im Nahen Osten." Der Dreiergipfel Israels, Jordaniens und der USA am Donnerstag in Amman, bei dem man sich auf Schritte zur Beruhigung der Lage geeinigt hatte, sei nur "ein erster kleiner Schritt in die richtige Richtung". Präsident Rivlin betonte, Israel habe nicht vor, "dem Islam den Krieg zu erklären". "Das wirkliche Problem ist der Fundamentalismus", sagte er. Israel müssen den Weg zu einer "Art von Verständigung" mit den Palästinensern finden. "Es ist unser Schicksal, zusammenzuleben."

Die Europäische Union (EU) hat unterdessen einem Bericht der Zeitung "Haaretz" zufolge einen Entwurf für mögliche Sanktionen gegen Israel erstellt. "Es gibt eine große Frustration in Europa und null Toleranz für Siedlungsaktivität", sagte ein europäischer Diplomat der Zeitung.

Das geheime Papier, das an die Mitgliedsstaaten verteilt worden sein soll, sei demnach "Teil des internen Brainstorming, das dieser Tage in Brüssel stattfindet". "Haaretz" stützt sich auf die Aussagen dreier europäischer Diplomaten und zweier hochrangiger israelischer Beamte. Sie werden in dem Artikel nicht namentlich genannt. Ihnen zufolge beinhalte das Papier Vorschläge, wie die EU auf die Überschreitung von "roten Linien" reagieren könne.

Eine solche rote Linie sei etwa der Ausbau von Siedlungen im besonders umstrittenen E1-Gebiet zwischen Jerusalem und der Siedlung Maale Adumim. In diesem Fall sei es denkbar, Produkte, die in Siedlungen hergestellt werden, auch als solche markieren zu lassen. Möglich sei auch, die Zusammenarbeit mit Israel in "verschiedenen Bereichen" einzuschränken.