Bei Abrüstung und Rüstungskontrolle bestehe dringend Handlungsbedarf, betonte Steinmeier am Freitag. Beobachter erhoffen sich von der Konferenz derweil Debatten über die künftige Afghanistan-Strategie. 2009 müsse ein Jahr des Aufbruchs sein für die internationale Sicherheits- und Abrüstungspolitik, forderte Steinmeier. Dabei gehe es nicht nur um die „nach wie vor Tausenden Sprengköpfe“ der etablierten Atommächte. Die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen stellt nach Angaben des Außenministers weiter eine Gefahr dar. Zudem drohe auch bei den konventionellen Waffen eine mühsam errichtete Abrüstungsarchitektur ins Rutschen zu geraten. Ermutigendes aus Washington Bei seinem Washington-Besuch habe er ermutigende Signale in Richtung einer beträchtlichen Reduzierung strategischer Atomwaffen vernommen – etwa in Richtung eines Nachfolgeabkommens für den Ende 2009 auslaufenden Start-Vertrag, sagte Steinmeier. Ein Erfolg bei Start könne die Ratifizierung des noch nicht in Kraft getretenen Atomteststopp-Vertrags (CTBT, Comprehensive Test-Ban Treaty) im US-Senat erleichtern.Die Teilnehmer der dreitägigen Sicherheitskonferenz seien gespannt auf eine Standortbestimmung aus Washington, sagte Steinmeier. Am zentralen Konferenztag, dem Samstag, wollte der neue US-Vizepräsident Joe Biden den künftigen außen- und sicherheitspolitischen Kurs seines Landes präsentieren – mit besonderer Spannung wurden dabei Aussagen zur künftigen Marschrichtung in Afghanistan erwartet. Biden wollte nach Angaben des Weißen Hauses in Washington bei der Münchner Konferenz auch den russischen Vize-Regierungschef Sergej Iwanow treffen. Der neue Leiter der Münchner Konferenz, Wolfgang Ischinger, sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vom Freitag, er wehre sich gegen eine Verkürzung der Afghanistan-Debatte auf die Frage, ob Deutschland zusätzliche Truppen abverlangt würden, sagte Deutschland und andere Partner seien „mit sehr ansehnlichen Kontingenten – und das nicht nur im militärischen Bereich – in Afghanistan vertreten“. Er wünsche sich aber, „dass wir in München das Gesamtkonzept kontrovers diskutieren können“. Ansatz für Afghanistan Auch der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD), warnte davor, die Afghanistan-Diskussion auf die Frage der Soldatenzahl zu reduzieren. Es gehe auch darum, einen erfolgversprechenden Ansatz für Afghanistan zu finden und die Strategie für das Land weiterzuentwickeln. Diese Fragen sollten am Sonntag diskutiert werden – vom afghanischen Präsidenten Hamid Karsai, dem US-Sicherheitsberater James Jones und dem US-Sondergesandten für Afghanistan, Richard Holbrooke. Deutschland habe seine Bereitschaft, zur Stabilisierung am Hindukusch beizutragen, bereits durch sehr konkrete Beschlüsse zum Ausdruck gebracht, sagte Erler und verwies unter anderem auf die Erhöhung der militärischen und zivilen Unterstützung in Afghanistan. AFP/ig