Auch wenn es auf dem Berliner Kohlegipfel gestern noch nicht zu einer abschließenden Einigung über die Zukunft des deutschen Steinkohlebergbaus gekommen ist, werden die möglichen Auswirkungen eines Kohleausstiegs in den Regionen kontrovers diskutiert.
Bereits heute steht fest, dass die Folgen des seit Jahrhunderten dauernden Kohleabbaus die deutschen Bergbauregionen noch auf lange Zeit prägen werden. Dabei geht es nicht nur um den Verlust von Zehntausenden Arbeitsplätzen, sondern auch um Bergbauschäden, die oft erst nach vielen Jahren als Spätfolgen des untertägigen Abbaus auftreten.
Vor rund einem halben Jahrhundert gehörte der deutsche Steinkohlenbergbau im Wirtschaftswunderjahr 1957 mit über 600 000 Bergleuten und einer Förderung von 149 Millionen Tonnen Steinkohle zu den Boombranchen. Nach mehreren Wellen des Personalabbaus zählt die Branche heute noch rund 34 000 Beschäftigte, davon ein Großteil im Ruhrgebiet. Weitere fördernde Zechen gibt es noch an der Saar und an dem münsterländischen Standort Ibbenbüren.
Bereits heute läuft die Diskussion über die Folgen eines Kohleausstiegs auf Hochtouren. Der Chef der Deutschen Steinkohle AG (DSK), Bernd Tönjes, weist auf die sozialen Dimensionen der Branche als Arbeitgeber hin. Rund 80 000 Arbeitsplätze stünden einschließlich des wirtschaftlichen Umfelds auf dem Spiel, zusammen mit den Familienangehörigen seien rund 175 000 Menschen betroffen.
Joachim Schmid vom Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) sieht mittelfristig etwa jeden zweiten Arbeitsplatz in der weltweit führenden Branche der deutschen Bergbaumaschinenhersteller durch einen Kohle-Ausstieg stark gefährdet. Die Gewerkschaft IGBCE pocht vor allem auf eine sozialverträgliche Regelung ohne betriebsbedingte Kündigungen. Ein Ausstieg vor dem Jahr 2019 würde Tausende Arbeitsplätze kosten.