Spezielle Lichteffekte sind nicht geplant und auch keine Triumph-Musik. "Der Parteitag wird sehr sparsam sein, was die Inszenierung angeht", sagt SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. Gut zwei Monate nach seiner Ausrufung zum Kanzlerkandidaten durch die engste Führung soll Peer Steinbrück am morgigen Sonntag auch vom Parteivolk als Herausforderer von Angela Merkel gekürt werden.

Nahles verspricht sich von dem gut fünfstündigen Sonderkonvent einen weiteren Motivationsschub für die Genossen. Steinbrück habe schon beim kleinen Parteitag vor sechs Wochen zu begeistern gewusst. "Da hat er die Leute mitgerissen." Tatsächlich dürften viele Genossen innerlich hin- und her- gerissen sein. Steinbrück war noch nie der Liebling der Partei. Der Ex-Bundesfinanzminister zählt zum konservativen Flügel. Dabei tickt man doch gerade in Zeiten der Opposition wieder verstärkt links. Und dann sind da noch die zahlreichen Fettnäpfchen, in die der Kandidat unbekümmert hineingestappt ist. Erst die Debatte um seine millionenschweren Nebeneinkünfte im Allgemeinen. Dann der Rekord-Obolus für den Auftritt bei den Bochumer Stadtwerken im Besonderen.

Später der Rückzug von Steinbrücks angeheuertem Internet-Berater Roman Koidl, der seine Brötchen auch schon mit Hedgefonds verdiente, die im Parteijargon als "Heuschrecken" gelten.

Und noch wenige Tage vor dem Delegiertentreffen sorgte Steinbrück erneut für Aufregung, weil er einen Vortrag bei der Schweizer Privatbank Sarrasin halten wollte, die im Verdacht eines groß angelegten Steuerbetrugs steht. Erst nach einem Aufschrei in den Medien sagte Steinbrück den Termin ab. All das zeugte von wenig Sensibilität und Fingerspitzengefühl - sehr zur Freude der politischen Konkurrenz. "Steinbrück ist unser bester Wahlkämpfer", lautete ein Schenkelklopfer, der auf dem jüngsten CDU-Parteitag die Runde machte.

Trotzdem kann der 65-jährige Hanseat mit einem ähnlich fulminanten Abstimmungsergebnis rechnen wie Angela Merkel bei ihrer Wiederwahl zur CDU-Chefin. "Steinbrücks Start war schwierig, aber von links bis rechts wissen alle, dass man sich jetzt um den Kandidaten scharen muss", analysiert ein altgedienter SPD-Mann. Im Willy-Brandt-Haus hoffen sie auf ein Resultat von "klar über 90 Prozent". Erwartet wird auch, dass sich der Kandidat in seiner gut einstündigen Rede noch einmal zu seinen Vortragshonoraren erklärt. Danach solle endlich Gras über die Sache wachsen, heißt es in der Partei.

Für Steinbrücks Auftritt werden zwei Hallen der Messe Hannover zur Arena umgestaltet. Der Kandidat steht in der Mitte, umgeben von seinen Parteifreunden. Eine Kulisse, wie man sie auch von US-Präsident Barack Obama kennt. Im Publikum werden auch zwei Altkanzler sitzen: Helmut Schmidt und Gerhard Schröder.

Wenn es seine Gesundheit zulässt, will Schmidt (94) ebenfalls reden. Ein Grußwort ist Stephan Weil vorbehalten, dem über die niedersächsischen Landesgrenzen hinaus praktisch unbekannten SPD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 20. Januar.

Aus diesem Anlass will Steinbrück schon am heutigen Samstag die Wahlkampftrommel rühren. Gemeinsam mit den anderen Spitzengenossen mischt er sich im Zentrum der Landeshauptstadt unters Volk.

So ganz ohne Musik geht es beim Sonderparteitag übrigens doch nicht ab. Zur Aufführung kommt der Song "You'll never walk alone" in Anspielung auf Steinbrücks Faible für Borussia Dortmund, wo das Lied bei jedem Heimspiel aus voller Kehle gesungen wird. Und am Ende erklingt der SPD-Klassiker "Wenn wir schreiten Seit' an Seit' - diesmal intoniert von einem Chor des DGB.