| 06:17 Uhr

Schulprojekt in Peru
Stein auf Stein für Neuanfang und Sicherheit

Dank der Spendengelder und der Arbeit von Miguel, steht die Mauer und dient nun dem Schutz des Schulgeländes.
Dank der Spendengelder und der Arbeit von Miguel, steht die Mauer und dient nun dem Schutz des Schulgeländes. FOTO: Anja Hummel / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Cottbus/Huanchaco . Viva Peru, Viva Milagro School: Rundschau-Redakteurin Anja Hummel und Freundin Maria Pech sind seit einem Monat in Peru. Mithilfe gesammelter Spendengelder unterstützen sie den Bau einer Schule. Ein Zwischenstand. Von Anja Hummel

Vier Wochen sind vergangen, seitdem wir auf südamerikanischem Boden verweilen. Vier Wochen ist es her, als wir mit einer Mission in den Flieger gestiegen sind:

Eine Schule für arme Kinder im peruanischen Küstenort Huanchaco unterstützen – mit eigener Kraft und mit Spendengeldern. Vor vier Jahren waren wir bereits für mehrere Wochen als freiwillige Helferinnen an diesem Ort. Im September sind wir zurückgekehrt.

Anja (r.) und Maria veranstalteten einen kleinen Markt, bei dem wärmende Kleidung für die doch ziemlich kühlen Nächte verkauft wurde. Bezahlt wurde mit Plasteverschlüssen/Plastekappen von Flaschen, die landen so nicht auf der Straße und werden nun zum Basteln recycelt.
Anja (r.) und Maria veranstalteten einen kleinen Markt, bei dem wärmende Kleidung für die doch ziemlich kühlen Nächte verkauft wurde. Bezahlt wurde mit Plasteverschlüssen/Plastekappen von Flaschen, die landen so nicht auf der Straße und werden nun zum Basteln recycelt. FOTO: Anja Hummel / Medienhaus Lausitzer Rundschau

Was nun hinter uns liegt sind Tage voller Spannung, Freude, aber auch Anstrengung. Direkt nach unserer Ankunft in Huanchaco ereilte uns ein Schock. Die Milagro School, so wie wir sie vor vier Jahren kennengelernt und mit aufgebaut haben, gibt es nicht mehr. Coco musste das Grundstück vor wenigen Monaten abgeben. Zwar gibt es mittlerweile ein neues Schulgelände, doch dort muss sie wieder ganz bei Null anfangen. Auf dem 800 Quadratmeter großen Areal oberhalb Huanchacos gibt es kaum etwas, das an eine Schule erinnert. Eine halbherzig gemauerte Baracke, staubiger Sand, mürbe Mauern.

Deshalb war uns schnell bewusst: Bevor die Kinder hier unterrichtet werden können, muss erst einmal eine Basis geschaffen werden. Das Areal muss stabile Mauern bekommen und genau das konnten wir mithilfe der Spenden finanzieren. Unglaubliche 2000 Euro haben wir zusammenbekommen. Wir sind jedem einzelnen Spender unwahrscheinlich dankbar für die Unterstützung.

Und mittlerweile steht sie, die zwölf Meter lange Wand. In Handarbeit hochgezogen – vom Fundament über die tragenden Säulen bis zum Mauerwerk – hat sie der 40-jährige Miguel. Der fünffache Vater wohnt fast direkt neben dem Gelände und hat bereits das vorherige Schulareal handwerklich betreut. Mit dem Bau der Mauer konnten wir ihm einen dreiwöchigen Arbeitsauftrag geben, für den er sonst drei Monate schuften muss. Insgesamt knapp 1500 Euro sind in die Sicherung des Schulgeländes geflossen. Das übrige Geld werden wir für weitere Konstruktionen verwenden. Denn die geschaffene Mauer dient nicht nur als Schutz, sondern soll künftig auch die tragende Wand des Schulhauptgebäudes werden.

Und nun? Nun ruckelt und klappert es um uns herum, es raschelt und knistert. Es ist viel zu heiß, und doch einigermaßen gemütlich. Wir sitzen in einem peruanischen Doppelstockbus, über den weißen Kopflehnen steht in großen blauen Lettern „siempre pensando en Usted“ - „Wir denken immer an Sie“ geschrieben. Ein Schriftzug, der mich gedanklich zurückkatapuliert. Nach Huanchaco, in die Milagro School. Vor wenigen Stunden haben Maria und ich mit unseren 25-Kilo-Rucksäcken Ciao gesagt. Ciao Huanchaco, Ciao Milagro School, Ciao Kinder. Nun sind wir auf dem Weg von der Küste Perus ins Landesinnere. Der Dschungel wartet auf uns. Obwohl uns der gerade verlassene Ort so viel bedeutet, haben wir beim Abschied keine einzige Träne vergossen. Noch nicht.

Aus ursprünglich geplanten zwei Wochen in Huanchaco und in der Milagro School sind nun fast vier geworden. Dass wir flexibel sind, haben wir schon vor der Reise gesagt. Nach strikten Plänen agieren, hat uns in fernen Ländern noch nie glücklich gemacht. Wir treffen lieber Entscheidungen aus dem Bauch heraus und schauen, was die Zeit mit sich bringt. Auch die Zeit in Huanchaco hat nun eine weitere Entscheidung in uns reifen lassen: Nachdem wir in den kommenden zwei Wochen auf Reisen gehen, werden wir in den letzten fünf Tagen unserer verbleibenden Urlaubszeit noch einmal nach Huanchaco zurückkehren. Wir möchten die Mauer gemeinsam mit den Kindern fertigstellen, sie verzieren und verschönern und dem Projekt somit die Krone aufsetzen. Unsere Mission „Viva Milagro School“ ist also noch nicht beendet. Zwar sorgt die Mauer längst für die Sicherheit der Schule. Doch wir möchten eben diese schützende Mauer gleichzeitig zu einer einzigartigen Wand machen. Einzigartig wie unsere Zeit in Huanchaco, die lachenden Kinder und die Milagro Schule selber es sind.

Wer das Projekt noch unterstützen möchte, kann sich mit einer Spende im Internet auf lr-story.de/suedamerika beteiligen und die Geschehnisse vor Ort verfolgen. Noch bis Ende Oktober werden Anja und Maria vor Ort sein.