September zum nächsten Erfolg eilen. Das Ergebnis ihres ersten Wahlbündnisses bei der Bundestagswahl 2005 - 8,7 Prozent aus dem Stand - wollten sie noch toppen. Doch nun, im Jahr vor der geplanten Fusion 2007, sind die Linken in den beiden ostdeutschen Ländern hoffnungslos zerstritten.
Statt eines gemeinsamen Wahlkampfs kam es zum Showdown zwischen dem WASG-Bundesvorstand im Westen und den beiden kleinen Landesverbänden im Osten. Gegen den erbitterten Widerstand der Bundespartei kandidiert die WASG in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern in Konkurrenz zur Linkspartei. Dabei steht für die alte PDS, die sich für die Fusion mit der WASG im Juli 2005 extra umbenannt hat, viel auf dem Spiel. In beiden Ländern regiert sie mit der SPD.
Die beiden einzigen rot-roten Kabinette in der Republik stellen sich zur Wiederwahl, in Berlin zur ersten, in Mecklenburg-Vorpommern zur zweiten. Wurden Regierungsbeteiligungen nach der desaströsen Niederlage der PDS bei der Bundestagswahl 2002 in der Bundespartei noch bekämpft, sind sie inzwischen zur Prestige-Frage avanciert. Linkspartei-Chef Lothar Bisky sicherte den Wahlkämpfern wegen der "eminenten bundespolitischen Bedeutung" jedwede Unterstützung zu.
Den aufmüpfigen WASG-Landesverbänden stoßen diese Regierungsbeteiligungen sauer auf. Die Anhänger der Splitterpartei in Berlin (850 Mitglieder) und im Nordosten (125 Mitglieder) werfen der Linkspartei vor, ihre sozialen Ziele verraten zu haben und den "neoliberalen Sparkurs" des Koalitionspartners SPD mitzutragen.
Vor allem die Berliner WASG spuckt Gift und Galle. In der Hauptstadt hat sie sich wesentlich aus PDSlern und Gewerkschaftern gegründet, die über rot-rote Realpolitik frustriert waren. "Wir brauchen keine Partei, die verbal links ist, aber unsoziale Politik betreibt", watschte Vorständlerin Lucy Redler die Linkspartei ab.
Die bekennende Trotzkistin ließ sich auch nicht von unverhohlenen Ausschlussdrohungen durch den prominentesten WASG-Kollegen, Oskar Lafontaine, einschüchtern. Die 26-Jährige führte die WASG-Spitze bundesweit vor, als sie der Alt-Herrenriege vom Landgericht Berlin bescheinigen ließ, dass die Absetzung des Landesvorstands rechtswidrig war. Der eigenständige Wahlantritt der Berliner verstoße keineswegs gegen die Grundsätze der Partei, urteilten die Richter.
Auf Bundesebene gibt man sich gelassen, obwohl die Niederlagen vor Gericht wie vor den Landeswahlausschüssen schmerzen. Vor allem der renitente Verband in Mecklenburg-Vorpommern wird nicht zur Kenntnis genommen. "Die kann man doch nicht ernst nehmen, die paar dutzend Hanseln da . . . Das sind doch Polit-Komiker, deren Ergebnis sich bei den Wahlen nicht mal im 0,0-Bereich niederschlagen wird", sagt der Bundesgeschäftsführer der Linkspartei, Dietmar Bartsch.
Den erwarteten Erfolg der Linkspartei an der Ostsee werden sie laut Bartsch bestimmt nicht schmälern. Umfragen sagen der Ex-PDS 21 bis 23 Prozent voraus, ein beachtlicher Zuwachs zum Ergebnis von 2002 (16,4 Prozent). "Das wäre das erste Mal in der Geschichte der PDS, dass sie aus der Regierungsverantwortung zulegen kann", sagt Bartsch. Denn 2002 bei der ersten rot-roten Nagelprobe im Nordosten büßte die PDS das Mitregieren mit einem Minus von acht Punkten. Für Berlin wird die Latte gleich niedriger gelegt. Ziel sind 17 Prozent plus X, um eine Regierung ohne PDS auszuschließen.
Auch WASG-Bundesvorstandsmitglied Klaus Ernst hat nur Spott übrig. "Angesichts von Umfragewerten von einem Prozent für die Berliner WASG zeichnet sich ab, dass der eigenständige Wahlantritt nicht sehr erfolgreich sein wird", meinte er vor einigen Wochen. Inzwischen sehen einige Umfragen die Berliner WASG durchaus auch bei fünf Prozent. Unabhängig davon ist Ernst zuversichtlich: Die Parteineubildung werde fortgesetzt. "Diese Frage wird nicht von ein paar Hundert Leuten entschieden."