Sie signalisieren konspirative Wohnungen, geheime Orte, in denen sich Führungsoffiziere des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) mit ihren Inoffiziellen Mitarbeitern (IM) trafen, um Aufträge zu erteilen und Spitzelberichte entgegenzunehmen. Wie ein Spinnenetz ist das gesamte Stadtgebiet von diesen geheimen Treffs in privaten vier Wänden von Frankfurtern überzogen, die gesamte Karl-Marx-Straße in der City scheint besonders stark "vermint" gewesen zu sein.
Doch welcher normale Bürger hat damals bewusst seine eigene Wohnung für diese Spitzelzwecke zur Verfügung gestellt? "Warum Menschen so was getan haben, ist für mich ein nicht nachvollziehbares Phänomen", sagt Rüdiger Sielaff, Leiter der Frankfurter Außenstelle der Birthler-Behörde. Er hat das bisher bei der MfS-Aufarbeitung wenig erforschte Thema anhand der in Frankfurt gefundenen Akten recherchiert. Allein 460 konspirative Wohnungen und Objekte gab es laut der vom MfS angelegte Straßenkartei (F 78), in der Oderstadt, 1290 im gesamten Bezirk Frankfurt. Die wenigsten geheimen Treffs waren unbewohnt und von der Stasi direkt angemietet.
Mieter oder Eigentümer der konspirativen Wohnungen wurden angeworben und verpflichteten sich wie andere IM zur Kooperation mit der Stasi. "Sie waren also selbst Inoffizielle Mitarbeiter mit entsprechenden Decknamen und einer eigenen Akte beim MfS", erklärt Sielaff.
20 Prozent der rund 7000 bekannten Spitzel im ehemaligen Bezirk Frankfurt waren Inhaber solcher konspirativen Wohnungen. Sie überließen der Stasi einen Schlüssel, stellten die Räume häufig ganztägig und vorbehaltlos zur Verfügung, erlaubten sogar die Mitnutzung von Kühlschrank und Bad. Damit die zu Besuch kommenden, fremden Personen möglichst nicht auffielen, waren beim MfS große Mehrfamilienhäuser mit naturbedingt großem Publikumsverkehr beliebt. Wie in klischeereichen Agentenfilmen wurden Losungen für die Verbindungsaufnahme zwischen Führungsoffizier und Wohnungsinhaber vereinbart. "Ich soll die Roten Rosen für Falk abholen", sagte etwa der Stasi-Mann, sobald ihm IM "Rote Rose" im Juri-Gagarin-Ring die Tür öffnete.