Dabei sollte es ein Feier-Parteitag werden, genau ein halbes Jahr nach dem Wiedereinzug der Liberalen in den Landtag. Doch von Feierstimmung unter den 164 Delegierten keine Spur, stattdessen war in der Generalaussprache von "Funktionärspartei", "Rechtfertigungsparteitag" und einem "zerstrittenen Haufen", der nicht regierungsfähig sei, die Rede. Massive Angriffe gegen das Führungsduo gab es wegen des Umgangs mit dem wegen neu aufgerollter Stasi-Vorwürfe zurückgetretenen Schatzmeister Rainer Siebert. Mehrere Redner bezogen zudem Position für die in der Landtagsfraktion und bei der Besetzung der Enquetekommission zur SED-Diktatur ausgegrenzte Abgeordnete Linda Teuteberg (28).Große MedienschelteTurbulenzen waren zwar erwartet worden, auch zu der eigenen Geschichte, doch viele Delegierte zeigten sich überrascht, wie Lanfermann und Goetz an der Führungskrise vorbeiredeten und Versäumnisse aussparten. Vielmehr holten beide zur großen Medienschelte aus und riefen die Partei zu Geschlossenheit auf. Kritik regte sich an ihrem Führungsstil und an Kommunikationsmängeln der Parteispitze, entkräften konnten beide das in ihren wenig mitreißenden Reden nicht. "Für das Bild der Partei nach außen ist das eine Katastrophe", sagte eine Mitglied aus dem Landesvorstand. Fest steht: Das Duo Lanfermann/Goetz kehrt angeschlagen vom Parteitag zurück.Das hat Gründe: Da wäre der Fall Rainer Siebert, vergangene Woche war er als Landesschatzmeister zurückgetreten. Beim Parteitag gab es stehende Ovationen für Siebert, der in seiner Abschiedsrede sagte, er sei "aus dem Hintergrund abgeschossen" und zur "Unperson erklärt" worden. Tatsächlich ist die Aktenlage zur Tätigkeit Sieberts als Stasi-IM bei der NVA in den 1970er-Jahren nicht neu, 1991 war der damalige FDP-Fraktionschef im Landtag als Grenzfall eingestuft worden. Aus Lanfermanns Sicht hätte Siebert nicht zurücktreten müssen, dieser habe aber Schaden von der FDP abwenden wollen.Goetz-Rücktritt gefordertDennoch wurde dem FDP-Führungsduo "Unfairness" im Umgang mit Siebert vorgeworfen, einige Mitglieder äußerten sich "schockiert". Besonders scharf kritisierte der Chef der Liberalen Senioren Brandenburg, Josef H. Mayer, es mache ihn zornig, "wie leichtfertig die Führungsspitze die Ehre von Siebert abgeschnitten hat", sie habe ihn "ohne Not kaltschnäuzig fallen gelassen". Mayer forderte unter Beifall den Rücktritt von Goetz und zugleich eine Entschuldigung bei Siebert. "Was ist eigentlich schlimmer: ein unergiebiger IM gewesen zu sein oder Mitglied der SED, die die Stasi schnüffeln ließ", sagte Mayer an Goetz gerichtet, der bis zur Wende in der SED war. Erstmals meldete sich die Landtagsabgeordnete Linda Teuteberg zu Wort. Mehrere Redner hatten da bereits das "Mobbing" in der Landtagsfraktion gegen die 28-Jährige kritisiert. "Was ich erlebt habe, möchte ich keinem wünschen", sagte Teuteberg nur, die trotz ihrer privaten Vereinsarbeit zur Aufarbeitung der DDR-Diktatur nicht in die Enquetekommission gesandt wurde. "Die ganze Welt wusste, dass es mir ein Herzensanliegen ist", sagte die 28-Jährige. "Meine Bewerbung ist mein Engagement."Die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit als Blockpartei wird die FDP ohnehin noch eine Weile beschäftigen. Mehrere Anträge lagen zum Umgang mit Partei- und Stasi-Verstrickungen vor. Nun soll eine Kommission - dabei sind der Ehrenvorsitzende Hinrich Enderlein sowie der frühere Landeschef Jürgen Türk aus Kolkwitz - eine mehrheitsfähige Formel finden.Kritik an DoppelfunktionLebhaft diskutierte die Basis auch die Postenverteilung in Partei und Landtagsfraktion, einige Redner äußerten Kritik an den Doppelfunktionen, etwa bei der parlamentarische Geschäftsführerin, Marion Vogdt, die sich bei der Wahl des Landesschatzmeisters nur äußerst knapp durchsetzen konnte. Einen Achtungserfolg gab es aber: Der uckermärkische Landtagsabgeordnete Andreas Büttner wurde ohne Gegenkandidat mit 83,7 Prozent der Stimmen zum neuen Generalsekretär gewählt.