Bei der Stasi-Unterlagen-Behörde stapeln sich die Anträge. Bis zu drei Jahre müssten Antragsteller auf Einblick in Unterlagen des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit warten, sagte Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen. "Wir unternehmen große Anstrengungen, die Akten zur Verfügung zu stellen. Doch wir schieben eine Bugwelle vor uns her."

Auch 25 Jahre nach dem Mauerfall ist das Interesse groß: 2014 gingen bis Anfang Dezember 61 000 Anträge von Menschen ein, die wissen wollen, ob die Stasi Akten über sie angelegt und was sie gesammelt hat. 2013 wurde 64 250 Mal persönliche Akteneinsicht beantragt, 2012 waren es noch rund 88 200 Anträge.

Die Behörde kämpft seit Langem gegen die langen Wartezeiten. Diese sind laut Jahn auch Folge der Personalplanung, die mit sinkenden Mitarbeiterzahlen konzipiert worden sei. "Damit hat keiner gerechnet, dass mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Mauerfall jeden Monat noch Tausende neue Anträge kommen."

Zurzeit hat die Behörde mit Außenstellen knapp 1600 Mitarbeiter, 2003 waren es noch 2300. Menschen, zu denen es nur wenige Quellen gibt, bekämen innerhalb von vier, fünf Monaten Auskunft. "Wenn viel Material da ist, dauert es länger", sagte Jahn. Rehabilitierungsersuche und Anträge von Älteren und Kranken würden vorgezogen. Auch für Behörden, Forscher und Medien werde nach Stasi-Akten gesucht.

Rund 37 000 Menschen haben 2014 erstmals Akteneinsicht beantragt. Ein Grund sei, dass Kinder und Enkel verstärkt in Familien nachfragen. "Der Dialog zwischen den Generationen ist in Gang gekommen", sagte der 61-Jährige.