Jeder dieser transparenten Querschnitte bringt auf dem Markt 7000 Euro, und dass ein internationaler Markt unter Medizinern und Universitäten vorhanden ist, auch das weiß von Hagens genau.
Etwa eine Million Scheibenplastinate jährlich - nicht nur von Menschen sondern auch von Tieren - will von Hagens spätestens in fünf Jahren in seinem Gubener Plastinarium produzieren, das gestern für ein Publikum von etwa 140 Journalisten und weiteren geladenen Gästen erstmals geöffnet wurde. Ab heute sind Werkstatt und Ausstellungsräume für jedermann zu besichtigen, vorausgesetzt, er ist älter als 14 Jahre.

Bis in die Nacht gearbeitet
In nur vier Monaten hatte von Hagens einen großen Teil der ehemaligen Gubener Wolle umbauen, sanieren und sichern lassen. Mitarbeiter und etwa 35 überwiegend regionale Handwerkerfirmen hatten oft bis in die Nacht hinein gearbeitet, um den Eröffnungstermin zu halten. Zeitgleich mit dem Kinostart von „Casino Royale“ sollte in Guben jene Pokerrunde zu sehen sein, die von Hagens eigens für den neuen James-Bond-Film zusammengestellt hatte - aus den Leichen dreier Körperspender.
Dass die kommerzielle Nutzung und Zurschaustellung der Körper Verstorbener, wie sie Gunther von Hagens betreibt, nach wie vor umstritten ist, zeigte sich gestern am stillen Protest von etwa 40 Gegnern des Plastinariums. Das Gubener Aktionsbündnis für Menschenwürde hatte sich zu einer Mahnwache formiert, warnte davor, für den Wirtschaftsaufschwung in Guben über Leichen zu gehen, sang „We shall overcome“ , als sich die Türen zum Plastinarium öffneten.
Dennoch, so betonte Gubens Bürgermeister Klaus-Dieter Hübner (FDP), könne er den tiefen Graben, der sich vielen Medienberichten zufolge durch seine Stadt ziehen solle, nicht entdecken. Wie Hübner stehen laut einer Emnid-Umfrage, die Gunther von Hagens in Auftrag gegeben hat, 78 Prozent der Gubener hinter dem Plastinarium, das bislang 48 Arbeitsplätze geschaffen hat und in spätestens fünf Jahren 200 bis 300 Beschäftigte haben soll.
Spree-Neiße-Landrat Dieter Friese (SPD) zeigte sich froh über von Hagens' Engagement, der alle Zusagen eingehalten und der Stadt Guben eine traditionsreiche Industrieanlage als architektonischen Anziehungspunkt erhalten habe.

„Ich bin ein Leichenveredler“
Gemeinsam mit seiner Ehefrau Angelina Whalley, die gleichzeitig Geschäftsführerin der Gubener Plastinate GmbH ist, führte von Hagens die Gäste schließlich durch die Ausstellungen und die Schauwerkstatt. Dort wurde zum ersten Mal unter den Augen der Öffentlichkeit der Prozess der Plastination menschlicher Körper gezeigt - dezent abgedeckt, auf wenige Details reduziert, klinisch und unblutig, noch ohne das Geräusch der schweren Körper-Säge im Hintergrund.
„Ich bin ein Leichenveredler“ , gibt von Hagens gern zu. „Und das hier ist ein postmortaler Schönheitssalon.“ Freilich ist Schönheit relativ und selbst von Hagens gelingt nicht alles. In Guben räumt er auch das ein, wenn er seine Anfänge der Scheibenplastination an einem Tier präsentiert: „Mein erstes Schweinchen. Schlimm sieht es aus. Zum Weinen.“