(iwe) Es gibt Hofführungen und Rundfahrten mit dem Trecker. Auf manchen Höfen stehen Reitpferde bereit, anderswo kann man dem Imker über die Schulter schauen. Molkereien und Fischzüchter öffnen ihre Türen, Schnapsbrennereien und Straußenfarmer. Zum insgesamt 25. Mal findet am kommenden Wochenende die „Brandenburger Landpartie“ statt. Rund 100 000 Besucher werden auf 225 Höfen in 196 Brandenburger Orten und Ortsteilen erwartet, sagte Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) am Mittwoch in Potsdam.

„Wir wollen Werbung für die Landwirtschaft machen.“ Und die Landpartie, die 1994 „ganz klein angefangen“ habe, sei mittlerweile die publikumsstärkste Veranstaltung für Marketing im ländlichen Raum geworden. „Es gilt ein Stück Mut zu machen, nach dem Dürrejahr 2018, dass die Menschen weiter zur Landwirtschaft und zum ländlichen Raum stehen.“

Eröffnet wird die Landpartie auf dem Awo Reha-Gut Kemlitz in Dahme. Ein Betrieb, der sich von anderen Höfen im Markt dadurch unterscheidet, dass hier Menschen mit Handicap in die Produktion miteinbezogen werden. Während der Landpartie können Besucher hier erfahren, „wie Lebensmittel entstehen“, sagte Betriebsleiter Heiko Terno, der zugleich Vizepräsident des Landesbauernverbands ist. Ein Traktor mit Anhänger soll die Besucher durch die Ställe fahren, auch ein historisches Treckertreffen soll es in Kemlitz geben.

„Wir wollen, dass keine offenen Fragen bleiben“, sagte Terno. „Jeder kann sich hier alles angucken.“ So habe der Betrieb beispielsweise auch das „Märkische Kartoffelschwein“ ins Leben gerufen, eine speziell gezüchtete Schweinerasse, die mit den Kartoffeln des Gutes gefüttert und von einer örtlichen Fleischerei verarbeitet wird. „Damit können wir die Wertschöpfung hier am Ort halten.“ Die Geschäftsführerin des Landfrauenverbands Brandenburg, Anja Faber, machte dagegen deutlich, dass das Leben im Dorf „nicht immer cool“ sei. „Wir wollen, dass auch unsere Kinder hier einen Job finden“, sagte Faber. Man wolle Menschen neu in die grünen Berufe bringen. „Und wir müssen auch über fehlende Infrastruktur auf dem Land reden.“

Was das heißt, werden die Besucher der Brandenburger Landpartie indes möglicherweise auch am eigenen Leib erfahren können. Denn das Programmheft der Veranstaltung ist so wie in den zurückliegenden Jahren nur mit Vorsicht zu genießen – etwa wenn es bei den Anreisempfehlungen heißt „Bus im Ort“ oder auch „Bus direkt vor der Haustür“:

Dass es sich dabei manchmal nur um Rufbusse handelt, wie in Klein Warnow in der Prignitz, oder dass die Haltestellen am Wochenende mancherorts sogar gar nicht bedient werden, wird im Programmheft zur Landpartie 2019 dagegen nicht erwähnt.