Die Diskussion der vergangenen Tage hat sich ein wenig auf die Frage verengt, ob eine Neugründung oder eine Fusion besser sei. Wie ist Ihre Position?
Peter Dreißig: Von einer Neugründung halte ich ehrlich gesagt nicht so viel. Sicher aber ist, dass beide Hochschulen ihre Ausbildungs- und Forschungsprofile schärfen und deutlich enger als bislang miteinander kooperieren müssen, um die Potenziale auszuschöpfen.

Klaus Aha: Den Versuch, Kräfte zu bündeln, würde jeder vernünftige Wirtschaftsbetrieb machen. Ich würde in dem Zusammenhang gerne von einer Zusammenführung sprechen. Wenn man von "Neugründung" spricht, dann birgt das eine Menge Bedrohungspotenzial. Wenn man eine Ebene darunter ansetzen und verhandeln würde, setzt das möglicherweise Kräfte für eine gemeinsame Zukunftslösung für die Lausitz frei.


Stichwort Verhandlung. Inzwischen hat jeder Beteiligte ein Bekenntnis abgegeben, über eine intensivere Zusammenarbeit sprechen zu wollen. Wie sollen denn Ihrer Meinung nach die Verhandlungen ablaufen?
Aha: Die Wissenschaftsministerin Sabine Kunst hat ja gesagt, wir kommen jetzt in die heiße Verhandlungsphase. Aber bevor es ins Detail geht, benötigen wir eine grundsätzliche Vereinbarung, vergleichbar mit einem Koalitionsvertrag. Dann entsteht schon der nötige Entscheidungsdruck, um die konkreten Verhandlungen voranzutreiben.

Dreißig: Ein Beirat müsste gegründet werden, der die Beratung eines solches Abkommens begleitet.


Wer soll in diesem Gremium sitzen?
Dreißig: Die Runde sollte klar definiert sein. Dazu gehören Vertreter der Universitäten und der Landesregierung. Es schadet bestimmt auch nicht, wenn große Unternehmen aus der Region zwei bis drei Leute stellen und die Studierenden - um die es ja schließlich geht - Abgeordnete in diesen Beirat schicken.


Einig scheinen sich alle Beteiligten zu sein, dass es höchste Zeit zum Handeln ist. Wie lange geben Sie diesem Beirat Zeit, um Ergebnisse vorzuweisen?
Aha: Zwei bis drei Monate sollten ausreichen, um eine grundsätzliche Vereinbarung zu treffen. Um das Gremium zusammenzustellen, sollten nicht mehr als zwei bis vier Wochen vergehen. Wichtig wäre ein guter Moderator, der über alle Zweifel erhaben ist, parteiisch zu sein.

Dreißig: Das kann dann ein älterer erfahrener Politiker sein, der sich nicht gleich ins Bockshorn jagen lässt. Aber lassen Sie mich noch einmal was zum Zeitplan sagen: Bis zur Sommerpause brauchen wir ein Konzept, sonst laufen uns die Studenten weg.


Fallen Ihnen Namen ein, wer eine solche Moderation übernehmen könnte?
Dreißig: Vielleicht Kurt Biedenkopf oder Gesine Schwan - jemand von außerhalb.


Was kann Brandenburgs Landesregierung tun, um den Prozess zu fördern?
Aha: Die Landesregierung hat die Aussage gemacht, die Region zu stärken. Das nehme ich ihr erst einmal ab. Wir müssen sie beim Wort nehmen. Wichtig wäre jetzt, deutlicher als bisher aufzuzeigen, was die Region von einer Neugründung oder einer Fusion hat.

Dreißig: Die Landesregierung muss etwas anbieten. Professorenstellen. Oder die Unterstützung, dass ein wissenschaftliches Institut in die Lausitz kommt.


Was passiert, wenn nichts passiert?
Dreißig: Ich fürchte, dass die gesamte Lausitz, dass wir dann alle in der Lausitz verlieren.

Aha: Ich sehe große Verteilungskämpfe auf uns zukommen. Wenn wir mit einer schlechten Stimmung in diese Verteilungskämpfe reingehen, weiß ich nicht, wie die Lausitz da raus kommt. Es muss ein deutliches Signal aus der Lausitz kommen, dass wir was bewegen wollen. Die Möglichkeiten dafür sind jetzt gegeben.