Zweimal schlugen die Dresdner bei der Dresdner OB-Wahl auf die Pauke. Mit dem ersten Schlag servierten sie die CDU ab, mit dem zweiten hievten sie die Pegida-Kandidatin auf 9,6 Prozent. 21 300 Bürger der Landeshauptstadt gaben Tatjana Festerling am Sonntag ihre Stimme. Woher die kamen, konnte auch am Tag danach niemand wirklich sagen. Vermuten lässt sich, dass Pegida bei dieser Wahl das einsammelte, was der CDU verloren ging.

Markus Ulbig geht aus diesem Wahlsonntag als tragische Figur. Dass es die CDU schwer haben würde, ihre Position in der Landeshauptstadt zu behaupten, war zu erwarten. Was aber wirklich herauskam, hätte bitterer nicht werden können: Knapp 34 000 Stimmen holte Sachsens Innenminister in Dresden. Mit 15,4 Prozent ist er damit aus dem Rennen. Schon am Sonntagabend gab Ulbig auf und kündigte an, auf den unabhängigen Kandidaten Dirk Hilbert zuzugehen. "Die Dresdnerinnen und Dresdner wollen einen bürgerlichen Oberbürgermeister", ließ Ulbig am gestrigen Montagnachmittag via Facebook wissen. "Diesem Wählerauftrag müssen wir nun im zweiten Wahlgang gerecht werden." Und weiter: "Rot-Rot-Grün hat in unserer Stadt keine Mehrheit", so Ulbig. Das Wahlergebnis sagt aber was anderes.

Auch die Pegida-Vertreterin ruft zur Unterstützung von Dirk Hilbert auf. Pegida sei Teil des konservativ-bürgerlichen Lagers und müsse deshalb Opfer bringen, um Rot-Rot-Grün zu verhindern, sagte Festerling am Montag.

Gewonnen hat die Kandidatin des linken Bündnisses "Gemeinsam für Dresden", Eva-Maria Stange (SPD), mit 36 Prozent. Fast 80 000 Dresdner stimmten für die Wissenschaftsministerin, die als Gemeinschaftskandidatin von SPD, Linken und Grünen antritt.

Dicht gefolgt von Dirk Hilbert mit 31,7 Prozent. Für den amtierenden Rathauschef von votierten rund 70 200 Dresdner. Für den 43-jährigen FDP-Mann, der den Verein "Unabhängige Bürger für Dresden" vertritt, geht es jetzt ums Ganze. Denn wenn sich für den zweiten Wahlgang am 5. Juli die CDU noch hinter ihm schart, kann Hilbert im Rathaus bleiben. Er gab sich am Wahlabend siegesgewiss: "Wir wollen ein breites Bündnis der Stadtgesellschaft schmieden", sagte er den Dresdner Neuesten Nachrichten, "damit wir auch integrierend arbeiten können".

Doch der könnte der Sieger der zweiten Runde werden. Anders als das bürgerliche Lager, das sich erst jetzt zusammenrauft, hat die Siegerin Stange kein Wachstumspotenzial mehr. Das weiß auch SPD-Landeschef Martin Dulig. Er setzt für die zweite Runde auf "Kämpfen, kämpfen, kämpfen".

Denn neben den Lagern der Linken und der Bürgerlichen ist nur noch das rechte übrig. Im Schatten Tatjana Festerlings holte AfD-Kandidat Stefan Vogel 4,8 Prozent. Zusammen sind das knapp 32 000 Stimmen, auf die Eva-Maria Stange in der Endrunde kaum zählen kann. Sie kann hoffen auf die Spaßwähler im Schlepptau von Lara Liqueur. 2,5 Prozent wollten die Drag Queen von "Die Partei" im Rathaus sehen. Das wären noch etwa 5400 bunte Stimmen für Stange.

Zum Thema:
Neben Dresden muss in 41 weiteren Kommunen ein zweiter Wahlgang über die Bürgermeisterposten entscheiden. In 181 Gemeinden erreichten die Bewerber im ersten Anlauf die absolute Mehrheit. 70 der neu gewählten (Ober-)Bürgermeister wurden von der CDU vorgeschlagen, fünf von der SPD, vier von der FDP und je einer von Linken, Grünen und DSU. 35 weitere wurden von Wählervereinigungen oder Wahlbündnissen nominiert. Zudem gingen 64 Einzelbewerber erfolgreich ins Rennen. Die auch am Sonntag abgehaltenen Landratswahlen in allen zehn Kreisen gewann überall die CDU. dpa/bl